STERN-Extra zu den Weltreligionen: Dokumentation mit Rechenschwäche

Der STERN galt – neben dem SPIEGEL – lange Zeit als Prototyp für großartigen investigativen Journalismus. Im Zuge der „Boulevardisierung“ der Medien ist viel von dem einstigen Glanz der klassischen Printformate verloren gegangen.

Die Höhe von Turmbauten – religiöses Machtsymbol. (*)

Mit dem Extra DIE SECHS WELTRELIGIONEN versucht der STREN, an die altehrwürdige journalistische Tradition anzuknüpfen. Bis auf eine offensichtliche Rechenschwäche ist die Dokumentation weitgehend geglückt. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Sinn des Lebens: Buddha sehen und Wissen erwerben

Was ist der Sinn des Lebens? Aus gutem Grund wird der Buddhismus gern als atheistisch deklariert, vor allem von Vertretern jener Religionssysteme, die den Glauben an einen (ihren ganz gruppenspezifischen) anthropomorphen Gott predigen. Buddhisten dagegen empfinden die Aussicht, an einem Tag X in ihrem letzten „Knochensack1“ wiederauferstehen zu müssen eher als Strafe denn als Erlösung.

Chinese Buddhist monks performing a formal ceremony in Hangzhou, Zhejiang Province, China. Photograph: Jon Bragg

Der Buddhist wähnt sich eher als immaterielle Entität, die vorüberge­hend in einem irdischen Gewand im dichten Reich der astralen Materie wandert, das voll ist von schwierigen Verhältnissen und auf Schritt und Tritt leidvolle Schicksalsschläge bereit hält. Dennoch möchte er ausge­rech­net hier gern und auch noch lange leben. Warum? Um Buddha zu sehen (früher oder später), Wissen zu erwerben und innerlich zu wachsen. Weiterlesen

  1. Knochensack: in buddhistischen Schriften gern benutzte respektlose Metapher für die körperliche Persönlichkeit, die im Buddhismus als konditionierte, flüchtige Illusion gesehen wird; also als notwendiges Mittel, nicht aber als Zweck.

Buddhistische Praxis: Nicht-Anhaften

Aus Ten Practices, The Flower Ornament Scripture, Book Twenty-One

Anhaften ist eines der stärksten „Bindemittel“ mit dem sich der Mensch an die Materie bindet – Leben auf Leben. Das befreiende Lösungsmittel ist folgerichtig Nicht-Anhaften. Doch das sagt sich so leicht.

Alles was als schön empfunden wird zieht an – und bindet. (*)

Denn bei genauer Betrachtung ist das gesamte Denken und Fühlen auf Anhaften gerichtet. Ein schöner Schmetterling oder eine Blume etwa. Beides sehen wir nicht einfach „nur so“. Das Betrachten der bunten Schmetterlingsflügel erzeugt angenehme Gefühle. Kommt wenig später ein einfarbiger Schmetterling angeflogen, unterscheidet das Denken blitzartig – und richtet den mentalen Daumen enttäuscht nach unten: Langweilig. Nicht-Anhaften ist daher ein wichtiger Aspekt buddhistischer Praxis. Weiterlesen

Telepathie und Gedankenübertragung – der siebte Sinn des Menschen

Wozu braucht eine Autotür noch ein Schloss? Ein lässiger Druck mit dem Daumen auf den Offen-Button des Zündschlüssels und die Tür wird entriegelt und öffnet sich einen Spalt breit. Auf Knopfdruck wird auch alles wieder verschlossen. Ausgefeilte Technik macht unseren Alltag mehr und mehr komfortabel.

Zenerkarten – mit ihrer Hilfe wird versucht, das Phänomen Telepathie wissenschaftlich zu ergründen. Grafik: gemeinfrei

In der Summe aller Techniken entsteht jedoch eine Abhängigkeit von funktionierender Technik. Ist etwa die Batteriezelle des Zündschlüssels am Ende, bleibt das Auto verschlossen. Mit den subtilen Sinnen des Menschen ist es ähnlich. So faszinierend die Vorstellung auch sei, mit einem Kommunikationspartner per Telepathie Gedanken zu übertragen, eine SMS oder E-Mail macht es auch – auf Knopfruck. Der moderne Mensch opfert seinen siebten Sinn dem Handynetzbetreiber und Internetprovider seiner Wahl – gegen Entgelt. Weiterlesen

Die Bürde, ein auserwählter Teenager zu sein

Über den Film Dolpo Tulku – Heimkehr in den Himalaya

In den Schulen des tibetischen Buddhismus, von denen die Gelbmützen-Schule des Dalai Lama die größte ist, wird die Wiedergeburt bedeutender geistiger Führer im großen Rahmen öffentlich zelebriert. Das geht los mit dem Tod eines großen Lamas. Jetzt gilt es jenes Kleinkind zu suchen und zu finden, das nach dem Todeszeitpunkt geboren wurde und dessen Körper als neues „Vehikel“ der Seele des Verstorbenen dient.

Dolpo Tulku – über einen lebenslustigen Schüler, der ein Auserwählter ist. © Arne Höhne Presse

Das Kindesalter des vermeintlich wiedergeborenen Lamas ist dann von Tests und Prüfungen bestimmt, ob der Kleine auch wirklich ein Tulku1 ist. Wie man als Teenager, der durchaus mit Handy und Internet umzugehen weiß, mit der Bürde des Auserwähltseins aufwächst, zeigt der Film DOLPO TULKU von Martin Hoffmann. Weiterlesen

  1. Tulku: tibetisch, Bezeichnung für einen erleuchteten Lama einer der Schulen des tibetischen Buddhismus, der sich durch Phowa (Bewusstseinsübertragung) und Siddhi (paranormale Fähigkeiten und Kräfte) nach dem körperlichen Tod bewusst zur Wiedergeburt entscheidet, in der Regel im Zuge eines vor Zeiten abgelegten Bodhisattva-Gelübdes