Lust an der Menge oder ein paar Bemerkungen zum Alltag

Irgendwann ist auch der größte und rücksichtsloseste Egoist seiner Egomanie überdrüssig. Dann genießt er zum Ausgleich lustvoll das Eintauchen in die derbe Menge. Der sonst von Angestellten und Geschäftspartnern gefürchtete Unternehmer lässt es etwa im Verein bei viel Alkohol kumpelhaft krachen – wie der Sozialhilfeempfänger am Biertisch ihm gegenüber.

Teil der Masse sein. (*)

Der sich für intellektuell haltende Gymnasiallehrer hängt sich vier Deutschlandfahnen ans Auto und verpasst den Außenspiegeln seiner gehobenen Mittelklasse-Limousine einen Überzug in schwarzrotgold. Genauso so wie der tätowierte Plattenbaubewohner im neun Jahre alten Opel. Wenn gerade Fußball-WM ist, treffen sich alle beim Public Viewing. Die Lust an der Selbstaufgabe in der Menge ist allgegenwärtig – da erweisen sich „ein paar Bemerkungen zum Alltag“ eines Meisters der Weisheit einmal mehr als zeitlos aktuell. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Deutschland ohne Gemeinsinn?

Schafherden stehen symbolhaft für Menschenmassen | Bild: HEINZ KNOTEK/TrinosophieBlog

Schafherden stehen symbolhaft für Menschenmassen, die still und willig überall mitlaufen, wo ihnen wesenfremde Hirten sie mit ihren Wachhunden hin haben wollen. Im Zweifel zum Scheren, Melken oder Schlachten. Bild: HEINZ KNOTEK/TrinosophieBlog

Was war rückblickend im geteilten Deutschland nach 1945 als typisches Merkmal des Gemeinsinns auszumachen? Erkennbar ist vor allem eine kollektive Arroganz der Überlegenheit. Wird dieses über Jahrzehnte kultivierte Selbstverständnis der Deutschen nun zu ihrem Verhängnis indem sie sich mit zuvor und womöglich extra dafür herbei gelockten Massen in die Selbstaufgabe treiben lassen? Weiterlesen