Film- und Download-Tipp: Gläubig auf Probe

Sven Kuntze „Auf der Suche nach dem lieben Gott1

Sehr ernst und immer wieder sehr sentimental geht es zu, wenn Vertreter dieser oder jener Religion versuchen mit ihrem jeweiligen Kult dem Journalisten Sven Kuntze ihre spirituelle Praxis zu erklären und womöglich zu vermitteln. Dennoch – seine teilweise fast respektlos anmutende Heiterkeit lässt sich Kuntze zu keinem Zeitpunkt nehmen. Und – und das ist das Herausragende des Films – auch nicht das Immer-Weiter-Fragen.

Spirituelle Suche – Anklopfen an Türen. (*)

Eine Übersicht in Deutschland gelebter Religionen und Kulte will und kann eine 90-Minuten-Doku nicht geben. Man muss sich auf den suchen­den Ruheständler Sven Kuntze (69) einlassen, der seinen kindlichen Glauben an Gott einst hatte stehen lassen – „wie einen alten Regen­schirm im Zug“ und seiner individuellen Suche folgen, „jetzt wo es im Alter regnerisch wird und man den Schirm gern wieder hätte.“ Weiterlesen

  1. Freier Download für einen begrenzten Zeitraum möglich, s. LINKSUNTEN

[Archiv-Auswahl] Das Leben – ein ununterbrochener Besuch im Wirtshaus

Oder „iSpirit“ versus SPIRIT

Sitzt man in einem voll besetzten Wirtshaus, dröhnt einem bald der Kopf vor Lärm. Hunderte Stimmen und doch sind es bestenfalls einzelne Satzfetzen, die man mitbekommt. Man hört die Gespräche von vielen Menschen zugleich. Und doch ist kaum wahrnehmbar, was Einzelne so sagen. Sticht zufällig eine interessante Bemerkung hervor, muss man sich mit aller Macht auf den Sprecher konzentrieren, um den Sinnzusammenhang mitzubekommen.

In der Wirtsstube; Öl auf Leinwand – heute kämen diverse Handy-Displays und ein HD-Fernseher dazu. Abb. gemeinfrei

Dabei kann es immer wieder passieren, dass der Verständnisfaden an der Lärmwolke im Raum reißt. Die Sache muss schon sehr interessant sein, dass man sich der anstrengenden Konzentration aussetzt. Ansonsten lässt man den Faden los und folgt passiv dem Wabern der Lärmwolke. Seelenimpulse erreichen nur mühsam das Herz des Menschen. Die Bilder- und Tonflut lastet schwer auf den Menschen. Sie macht passiv und müde. Das Leben gleicht einem ununterbrochenen Besuch im Wirtshaus. Weiterlesen

Wintersonnenwende: Gelegenheit längst Überfälliges anzufangen

Königin der Nächte“ bezeichnete eine Tageszeitung die längste Nacht des Jahres, die Wintersonnenwende1, zugleich auch der kürzeste Tag im Jahreslauf der Sonne. Das Weihnachtsfest, die mystische Geburt des Christkindes, ist bekanntlich eine grobe Adaption des in vielen Hochkulturen begangenen Sonnenkultes. Im Zentrum des Kultes steht die als Sonnengott (maskulin) kulthaft verehrte Sonne.

Jahreslauf der Erde um die Sonne, links außen Sommer auf der Nordhalbkugel, rechts außen Winter auf der Nordhalbkugel.
Grafik: gemeinfrei

Alles auf der Erde manifestierte Sein hängt vom Rhythmus der Sonne ab. Gemäß dem hermetischen Grundsatz SO OBEN – SO UNTEN hat die Wintersonnenwende OBEN auch in uns (UNTEN) ihre Entsprechung. Es liegt an uns, diesen kosmischen Impuls in uns „beim Schopfe zu packen“ und etwa beherzt die Gelegenheit zu nutzen, um längst Überfälliges anzufangen. Weiterlesen

  1. In 2011 am 22. Dezember, 6.30 Uhr

Generation Zappelphilipp

Digitale Lesestifte für Kleinkinder sind keine pädagogisch konzipierte und ausführlich geprüfte Innovationen zum Wohle eben dieser Kindern. Tings – wie die knuffigen Dinger heißen – sind aus der Not heraus entstanden. Eine Augsburger Druckerei auf der Suche nach alternativen Geschäftsfeldern ließ sich von elektronischem Tand Made in China inspirieren und machte aus einem simplen Lesestift eine Art multimedialen Zauberstab und eine profitable Geschäftsidee.

Kinder haben die Fähigkeit zur selbstbezogenen Konzentration. (*)

Um ehrgeizige Eltern zum Kauf zu animieren bekam das lesende und sprechende Plastik einen Pädagogisch-wertvoll-Mantel verpasst: Kinder sollen auf die Weise früher lesen lernen. Arme Kinder und willkommen der Generation Zappelphilipp. Weiterlesen

Beten auf Buddhistisch: „Tischgebet“

Buddhistische Tisch-Invokation aus dem Avatamsaka-Sutra

Beten kommt von BITTEN. In monotheistischen Religionen, wie dem Christentum und Islam, ist Beten, Bitten und Fürbitten zen­trale Glaubenspraxis. Das alltägliche Beten hat einen sehr persönlichen Charakter. Man wünscht sich meist etwas Persönliches von (s)einem persönlichen Gott. Im Buddhismus ist „Beten“ völlig unpersönlich und eher eine Art allgemeine Invokation, bestehend aus Danksagung, Respektsäußerung und allgemeinem Segenswunsch.

Persönlicher Wunsch am Weihnachtswunschbaum in einer nordhessischen Kleinstadt. (*)

Natürlich haben auch Buddhisten gelegentlich persönliche Wünsche von denen sie die Buddhas insgeheim gebetsartig in Kenntnis setzen. Doch sie wissen dabei sehr genau, dass das eigentlich eine Form von Anhaf­tung ist. Aber bekanntlich sieht man im Buddhismus „kleine Schwächen“ nicht zu eng, denn enges Auslegen von Vorschriften ist schließlich selbst eine Anhaftung. Ein sehr erhabenes die Nahrung spirituell magnetisie­rendes Tischgebet zu den Mahlzeiten findet sich im Avatamsaka-Sutra. Weiterlesen

„Internet ist Teufels- und Dreckszeug!“

Manche Menschen, die als gebildet gelten und sich ethisch-moralisch wertkonservativ geben äußern gern ihren Ekel über die „schlimmen Sachen“ im Internet. Weil sie meinen, es mit ihren Kindern gut zu meinen, ist die Dämonisierung der elektronischen Medien auch ein Aktivposten der Erziehung. Kinder und Jugendliche dürfen ent­weder gar nicht oder nur unter strengen Auflagen und zumeist technisch sehr eingeschränkt ins Web. „Internet ist Teufels- und Dreckszeug!“ ist dabei die dämagogische Parole.

Mit Knoblauch gegen den digitalen Belzebub? (*)

Wenn es sicher helfen würde, sie würden vor jedem Computermonitor oder gar den DSL-Anschluss eine Knoblauchknolle legen. Knoblauch soll ja, laut mittelalterlichem Aberglauben, den Teufel fern halten. Der Teufel ist aber bekanntlich eine Erfindung machtpolitisch ambitionierter Kirchenväter. Und seine Kinder in das Korsett eigener Klischees und Komplexe zu zwingen ist – ja, vor allem bequem und eine Form der Verletzung der Fürsorgepflicht! Weiterlesen

TV-Tipp: Auf den Spuren von Marco Polo

Glaubt man der Überlieferung, dass der venezianische Händler Marco Polo (ca. 1254 – 1324) über die Seidenstraße von Norditalien bis in das alte China der Yuan-Dynastie (1206–1368) gereist ist, dann ist sein legendärer Reisebericht auch das erste Zeugnis östlicher Weisheitslehren im westlichen Kulturkreis.

Marco Polo in China Abb. Buch Il milione, 1298–1299, gemeinfrei)

Der britische Profi-Traveller, Bradley Mayhew, ist jetzt der mutmaßlichen Route Marco Polos gefolgt. In der fünfteiligen TV-Serie „Länder, Menschen, Abenteuer“ kann man die Abenteuer miterleben, die Mayhew dabei zu bestehen hatte. Weiterlesen

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