Johannes Trithemius: Von einem der auszog einen Augiasstall auszumisten (Teil 1)

Mutmaßlichen Bodhisattvas1 der Geschichte auf der Spur

Christliche Mönche standen im 15. Jahrhundert beim Volk in dem Ruf ungebildete Hurenböcke zu sein, die sich gern dem Rausch der Völlerei und Trunksucht ergeben und es sich auf Kosten des eingetriebenen Kirchenzehnten und der Besitztümer der Klöster gut gehen lassen. Anders als etwa in China wäre in Mitteleuropa ein Kloster in abgelegener Höhenlage undenkbar gewesen2.

Relief von Johannes Trithemius; von Tilman Riemenschneider. Foto: CSvBibra/gemeinfrei

Schließlich lag der Schwerpunkt der Klosterbetriebe nicht bei religiöser Disziplin, Enthaltsamkeit und Kontemplation. Außerdem wäre den Mönchen schwer zu vermitteln gewesen, warum sie sich körperlich anstrengende Fußmärsche antun sollten und ein Nachschub an Essen, Trinken und sonstigen „Dienstleistungen“ unnötig zu erschweren sei. Doch dann kam Johannes Trithemius und das zum Augiasstall verkommene Mönchtum wurde mit eiserner Hand reformiert. Weiterlesen

  1. Bodhisattvas sind – vereinfacht ausgedrückt – große Seelen (Sanskrit: maha atma) die im Laufe ihrer Inkarnationen den astralen Zwang zur Reinkarnation überwunden haben, jedoch freiwillig eine Inkarnation annehmen, um vor Ort den fühlenden Wesen auf die eine oder Weise praktische Impulse für ein spirituelles Leben zu geben. Aus „Sicherheitsgründen“ müssen sie dabei ihre noble Herkunft vorübergehend vergessen. Ihr Wirken kann auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattfinden. Laut Weisheitslehren kann es auch zu einer „Überschattung“ eines Menschen durch einen Bodhisattva kommen. Der gegenwärtige Dalai Lama gilt als inkarnierter Bodhisattva.
  2. Der Ruf eines buddhistischen oder taoistischen Klosters steht bei den Praktizierenden in China bis heute um so höher, je abgelegener und – wenn möglich – je höher es liegt.

[Archiv-Auswahl] Sinn des Lebens: Buddha sehen und Wissen erwerben

Was ist der Sinn des Lebens? Aus gutem Grund wird der Buddhismus gern als atheistisch deklariert, vor allem von Vertretern jener Religionssysteme, die den Glauben an einen (ihren ganz gruppenspezifischen) anthropomorphen Gott predigen. Buddhisten dagegen empfinden die Aussicht, an einem Tag X in ihrem letzten „Knochensack1“ wiederauferstehen zu müssen eher als Strafe denn als Erlösung.

Chinese Buddhist monks performing a formal ceremony in Hangzhou, Zhejiang Province, China. Photograph: Jon Bragg

Der Buddhist wähnt sich eher als immaterielle Entität, die vorüberge­hend in einem irdischen Gewand im dichten Reich der astralen Materie wandert, das voll ist von schwierigen Verhältnissen und auf Schritt und Tritt leidvolle Schicksalsschläge bereit hält. Dennoch möchte er ausge­rech­net hier gern und auch noch lange leben. Warum? Um Buddha zu sehen (früher oder später), Wissen zu erwerben und innerlich zu wachsen. Weiterlesen

  1. Knochensack: in buddhistischen Schriften gern benutzte respektlose Metapher für die körperliche Persönlichkeit, die im Buddhismus als konditionierte, flüchtige Illusion gesehen wird; also als notwendiges Mittel, nicht aber als Zweck.

Sollen wir Hellsichtigkeit lernen?

Mit Originalartikel von W. Q. Judge, „Shall We Teach1 Clairvoyance“?

Von einer „Erweiterung der Realität“ heißt es in der Werbung, wenn Internetportale Filme in 3D anbieten oder zweitklassige TV-Sendungen via Smartphone Zuseher mit der Illusion der interaktiven Teilnahme am Programm anzulocken versuchen. Esoterik wird manchmal ähnlich als eine „Erweiterung der Realität“ aufgefasst, inklusive dem damit verbundenen Bedürfnis damit Geld zu verdienen oder zumindest ein bisschen berühmt zu werden.

Die Wahrsagerin, Deutschland, 18. Jahrhundert. Foto: gemeinfrei

Zum Beispiel durch Hellsichtigkeit. Schließlich stellt sich dem Sucher auf dem Pfad doch gelegentlich die Frage, ob die anstrengende Rackerei mit dem niederen Selbst der Persönlichkeit ihm nicht doch den einen oder anderen kleinen Vorteil auf der horizontalen Ebene einbringen könnte. Vor allem angesichts marktüblicher Stundensätze ab 50 Euro aufwärts. Weiterlesen

  1. Das englische teach wurde als lernen übertragen, da anders als zu Zeiten von W. Q. Judge heute das LEHREN von Hellsichtigkeit kaum eine Rolle spielt. Heute geht es mehr um das autodidaktische Forcieren solcher Fähigkeiten. Red.

Beim Geld hört die Brüderlichkeit auf, dabei sollte sie hier anfangen

Der Euro ist unser Schicksal! Mit diesem Statement versuchte Bundeskanzlerin Merkel im Dezember 2010 so etwas wie einen emotionalen Appell an die euroskeptische Wirtschaft und die euromüde Bevölkerung. Grundtenor des Aufrufs: Nun, da der Euro einmal da ist, können wir ihn nicht mehr aufgeben. Also machen wir das Beste daraus.

Rettungssschirm für Spekulanten und Bruchbanker. Grafik: PiRK

Doch der Europakt war nie als unumkehrbares Schicksal nach dem Prinzip „alles oder nichts“ konzipiert. Eher als Chance für eine noch zu vollziehende politische Vereinigung. Die Chance wurde bislang vertan. Der Zugang zum Euroraum wird vor allem unter dem Blickwinkel möglicher Vorteilsnahmen gesehen und angestrebt. Einzelne Staaten haben sich dazu mit gefälschten Wirtschaftsdaten den Euro-Zugang erschlichen – quasi eine kriminelle Handlung. Und diejenigen, die einst den Europäern den Euro mit fast autistoider Hartnäckigkeit oktroyiert haben, sind noch immer an der Macht. Weiterlesen