Syrien: Operation „Niccolo“ oder wem nützt der Bürgerkrieg

Niccolò Machiavelli (1469-1527).
Abb. gemeinfrei

Syrien steht im Weg – also fällt es. Ägypten ist zu stark – also wird es schwach. Die Entwicklung im Nahen Osten ist geradezu klischeehaft ein Lehr­beispiel für eine Politik ganz im Stil von Niccolò Machiavelli. Die Grundlagen dazu wurden – eben­falls im Machiavellischen Sinne – mit der Invasion westlicher Truppen in Afghanistan gelegt. Seitdem brennen die Südränder Russlands, die westliche Provinz Chinas und die Region um Pakis­tan sowieso. Wasser auf die Müh­len der Verschwörungstheore­tiker. Doch es ist fraglich, ob es eine gezielte Operation „Niccolò“ zur langfristigen Destabilisierung des Nahen Ostens und der Welt gibt. Aber: gut 20 Jahre nach einer Welle von nationalen Unabhängigkeitserklärungen wird die nationale Unabhängigkeit souveräner Staaten mehr und mehr zum Spielball machtpolitischer Interessen. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Feindliche Übernahme

Monu­mentale Dreifach­aus­stel­lung in Paderborn: CREDO – ich glaube

Steinkopf aus Riga. © Museum of the History of Riga and Navigation (Foto: Ilgvars Gardovskis)

Steinkopf aus Riga. © Museum of the History of Riga and Navigation (Foto: Ilgvars Gardovskis)

Die Christiani­sie­rung Europas ist Gegenstand einer monu­mentalen Dreifach­aus­stel­lung in Paderborn, vom 26. Juli bis 3. No­vem­ber 2013, im Diöze­sanmuseum, in der Kaiserpfalz und in der Städtischen Galerie. CREDO – ich glaube, so der Name der Ausstel­lung, bezieht sich auf die von Kaiser Konstantin beim Konzil von Nicäa im Jahre 325 den anwe­sen­den Bischöfen unter Androhung von Gewalt abverlangte Loyalitätsbekundung für eine kanonische Fixierung des im Römischen Reich inzwischen aus machtpolitischen Gründen zur Staats­religion erklärten Christentums. Bis Nicäa war das Christentum ein Sam­melbecken unterschiedlichster spiritueller Wege. Trotz allem Disputs gingen die Anhänger der einzelnen Schulen respektvoll miteinander um. Nach Nicäa galt fortan: Bist du NICHT für das Dogma, dann bist Du ge­gen uns (dessen Befürworter) und folglich kein Christ, stattdessen Feind, den man verfolgen und vernichten muss. Die feindliche Übernahme erst Europas, dann des Rests der Welt, nahm seinen Anfang. Weiterlesen

Die Sehnsucht nach dem Sinn

Meist kommt die Sehnsucht nach dem Sinn erst dann auf, wenn alles Erreichbare erreicht und nach längerem repetitiven Genuss dessen flüchtiges Sinn-Potenzial realisiert wurde. Da sich dieses Ereignis im Schnitt etwa in der Lebensmitte ereignet wird das Phänomen auch „Midlife Crisis“ genannt oder besser als solches diskreditiert. Denn eigentlich fängt mit der Sinnsuche und dem kritischen Hinterfragen des eigenen Treibens selbstbewusstes Leben erst an, wofür es in der statistischen Mitte der physischen Lebenszeit schon etwas spät ist.

Sehnsucht nach Freiheit, eine Form der Sinnsuche. Foto: gemeinfrei

Denn leider hat dann auch schon die Leistungsfähigkeit des aktuellen Seelengewandes, des Körpers, mehr als die Hälfte seiner Leistungs­fähigkeit eingebüßt. Daher der volkstümliche Spott über mittelalte Männer mit 30 Jahre jüngeren Frauen oder die plötzliche Selbstverwirk­lichungswut von Frauen jenseits der Menopause. Weiterlesen