Karma-Amateure

INVESTING IN KARMA: WHEN WANTING PROMOTES HELPING, eine Studie von Benjamin A. Converse u. a. veröffentlicht in PSYCHOLOGICAL SCIENCE, offenbart einmal mehr das immer gleiche Dilemma der so genannten „exakten Wissenschaften“. Selektive Analysen auf der Basis klischeehaft reduzierter Konzepte der Weisheitslehren alter Hochkulturen werden benutzt, um vor allem das eigene Weltbild zu bestätigen.

Karma = Handlung. Weder gut noch böse. So wie die Wellen einer Wasseroberfläche, die entstehen, wenn die Grenzschicht des Wassers von oben oder unten (wie hier) berührt wird. Oder auch Ursache und Wirkung. (*)

Lässt man die bemühten Schlussfolgerungen der „Karma-Amateure“ um Benjamin A. Converse jedoch beiseite und konzentriert sich allein auf die Studie, lassen sich dennoch interessante Einblicke in die Psyche des westlichen Denkers gewinnen: Ganz am Schluss, wenn nur noch das Hissen der weißen Fahne bleibt, im Zustand völliger Selbstübergabe an ein höheres Prinzip, dann kann selbst das aufgeblähteste Ego Mitgefühl und Selbstlosigkeit entwickeln. Das eigentliche Ergebnis der Studie: Schicksalsschläge erhalten eine völlig neue Bedeutung. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] DER PLAN – ein Thriller als theosophisch anmutende Metapher

Film-Tipp: Der Plan (The Adjustment Bureau) von George Nolfi

Matt Damon at the 66th Venice International Film Festival. © Nicolas Genin

Matt Damon at the 66th Venice International Film Festival.
© Nicolas Genin

Gibt es einen Plan? Ist alles was geschieht letztlich vorher festgelegt? Welche Rolle spielen Zufälle, ja gibt es Zufälle überhaupt? Wie steht es mit dem freien Willen? Gut, man kann beim Einkaufen zwischen Zahnpasta A und B auswählen. Aber bei Geburt, Lebensweg und Tod hat man zweifelsfrei eher keine Wahl. Es geschieht. Es geschieht einem. Wenn also dennoch allem ein Plan zugrunde liegt – wer ist der Planer? Wer denkt sich warum diesen und nicht einen anderen Plan aus? Sind wir, wenn es so einen Plan gäbe, dann alle Marionetten an der mehr oder weniger kurzen Leine des Schicksals, gemäß Plan?

Solche Fragen können den forschenden Sucher leicht anfallen, vor allem wenn er eine innere Affinität zu den buddhistisch geprägten Thesen der Theosophie des 19. Jahrhunderts hat. Der 2011 produzierte Si-Fi-Thril­ler Der Plan (The Adjustment Bureau) von George Nolfi mit Matt Damon und Emily Blunt in den Hauptrollen ist eine ans Herz gehende und nach­denk­lich machende Romanze und eigent­lich eine einzige theosophische Metapher. Weiterlesen

Papst befördert Benediktiner-Nonne 833 Jahre nach ihrem Tod

Visionen über die Welt – im Mittel-
alter nichts Besonderes. Hier von
Athanasius Kircher (1602-1680).

Abb. gemeinfrei

Hildegard von Bingen, eine adlige Benediktiner­non­ne aus dem 12. Jahrhundert wurde von Papst Benedikt dem XVI. zur Kirchenlehrerin erklärt. Ob sich die zahlreichen – vor­nehm­lich weiblichen – Anhänger der unter der Marke HILDEGARD propagierten Heilslehre jetzt wie nach einer „feindlichen Über­nahme“ fühlen? Die nachträgliche Beförderung der seit 833 Jahren toten Nonnen innerhalb der „virtu­ellen“ Kirchenhierarchie durch den Papst ist jedenfalls ein cleverer Versuch, um drei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Zum einen, um esoterisch geneigte Katholiken stärker an die Kirche zu binden, um öffentlichkeitswirksam dem zunehmenden Imageverlust der Kirche etwas entgegenzusetzen und schließlich um – in Zeiten der Diskussion um Frauenquoten – die grelle Frauenfeindlichkeit des Kirchendogmas mit einem Hauch Gleichberechtigung abzutönen. Weiterlesen