Die griechischen Mysterien

VON JAMES MORGAN PRYSE (1859-1942), The Apocalypse Unseald
(Übertragung aus dem Englischen: Heinz Knotek)

Eleusis - Ursprungsort der Griechischen Mysterien

Eleusis. Foto: BishkekRocks, lizenziert unter Public domain über Wikimedia Commons

In Griechenland wurden verschiedene unter der Aufsicht des Staates stehende Formen der Mysterien praktiziert. Die bedeutendsten waren die Mysterien von Eleusis, die nicht nur von ehrwürdigem Alter waren, sondern auch bis zum Einfall von Alarich I., dem Goten, im Jahre 397 der christlichen Ära, fortbestanden. Im ersten Jahrhundert u. Z. waren die Mysterien die anerkannte Religion Griechenlands und wurden in jeder Stadt und den Kolonien Kleinasiens festlich begangen.

Mysterien – Läuterungsriten und
grundlegende Belehrungen

Das Hauptzentrum der Größeren Eleusinischen Mysterien war der prächtige Tempel in Eleusis nahe Athen. Die Kleineren Eleusinischen Mysterien, die der Vorbereitung von Kandidaten auf die Einweihung in die Größeren Eleusinischen Mysterien dienten, bestanden aus Läuterungsriten und grundlegenden Belehrungen. Sie hatten ihren Sitz in Agra, am Fluss Ilissos. Die Kleineren Mysterien wurden jährlich im Februar, die Größeren im September, abgehalten. Das Zelebrieren der Größeren Mysterien währte neun Tage und begann jeweils mit einem öffentlichen Festzug und einer Feier zu Ehren von Demeter und Persephone, die zugehörigen telestischen Riten1 fanden jedoch in der feierlichen Verborgenheit des Tempels statt, wo niemand außer den Initiierten zugelassen war.

Unter Peisistratos wurde das Fest der Demeter und Persephone um Elemente der dionysischen und asklepiadeischen Mysterien erweitert. Die öffentlichen Zeremonien dienten jedoch offensichtlich lediglich dem Vergnügen der ungeweihten Menge und hatten wahrscheinlich keinen wirklichen Bezug zu den im Inneren des Tempels stattfindenden Abläufen.

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Eleusis, Herkunftsort der Eleusinischen Mysterien

Jeder Initiierte war durch Eid zu unverletzlicher Verschwiegenheit verpflichtet, folglich ist über die Initiationszeremonien nichts von Belang bekannt. Dennoch gibt es gute Gründe für die Annahme, dass beim eleusinischen Ritual die zodiakale Symbolik Verwendung fand und dass einige der gegebenen Instruktionen in Form dramatischer Darstellungen vermittelt wurden. Gut möglich, dass die Kunstform des Dramas seinen Ursprung in diesen Mysterien hat. Die Symbolik des Zodik war eine rätselhafte und schwer zu entziffernde Sprache, die auf Aspekte des inneren Wesens des Menschen hinwies und mit der alle Initiierten der alten Religionen vertraut waren.

Es gab keine Geheimhaltung der Tatsache, dass die telestischen Riten der sittlichen Läuterung, der Entwicklung spiritueller Fähigkeiten und dem Erreichen spiritueller Unsterblichkeit dienten. Ebenso wenig waren die grundsätzlichen, offen gepriesenen, Prinzipien der vollendenden Philosophie ein Geheimnis.

Aus diesem Grund äußerst sich Plato, wenn er in seinen Diskursen für die Unsterblichkeit der Seele plädiert, über sittlich-moralische Themen mit der größten Klarheit, wird aber in seinen Ausführungen bewusst vage und unbestimmt, sobald er sich der subtilen inneren Konstitution des Menschen zuwendet. Und dass, obwohl er sich bei der Behandlung der subjektiven Welten und Nachtod-Zustände der Seele durchweg allegorischer Hilfsmittel zu bedienen weiß. Viele Passagen seiner Schriften, beispielsweise der Timaios, müssen jedem völlig unverständlich bleiben, der nicht den Schlüssel der zodiakalen Sprache besitzt, was darüber hinaus auch für die meisten anderen der heiligen Schriften des Altertums gilt.

Linksunten: The Restored New Testament, by JAMES MORGAN PRYSE

  1. Riten zur Herbeiführung von tranceähnlichen Bewusstseinszuständen, mutmaßlich unter Zuhilfenahme von Rauschdrogen.

Übersicht der Artikel zur Serie

  1. Offenbarung des Johannes (Apokalypse) - ein Schlüssel zur Gnôsis? (20.12.2008)
  2. Das Osterlamm - Sternzeichen Widder, kein Opfertier (09.04.2009)
  3. Apokalypse – Schlüssel zur Gnosis (04.10.2013)
  4. Die griechischen Mysterien (14.09.2014)
  5. Das Ziel menschlichen Strebens: Wissen oder Weisheit? (15.02.2015)

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