Feindliche Übernahme

Monu­mentale Dreifach­aus­stel­lung in Paderborn: CREDO – ich glaube

Steinkopf aus Riga. © Museum of the History of Riga and Navigation (Foto: Ilgvars Gardovskis)

Steinkopf aus Riga. © Museum of the History of Riga and Navigation (Foto: Ilgvars Gardovskis)

Die Christiani­sie­rung Europas ist Gegenstand einer monu­mentalen Dreifach­aus­stel­lung in Paderborn, vom 26. Juli bis 3. No­vem­ber 2013, im Diöze­sanmuseum, in der Kaiserpfalz und in der Städtischen Galerie. CREDO – ich glaube, so der Name der Ausstel­lung, bezieht sich auf die von Kaiser Konstantin beim Konzil von Nicäa im Jahre 325 den anwe­sen­den Bischöfen unter Androhung von Gewalt abverlangte Loyalitätsbekundung für eine kanonische Fixierung des im Römischen Reich inzwischen aus machtpolitischen Gründen zur Staats­religion erklärten Christentums. Bis Nicäa war das Christentum ein Sam­melbecken unterschiedlichster spiritueller Wege. Trotz allem Disputs gingen die Anhänger der einzelnen Schulen respektvoll miteinander um. Nach Nicäa galt fortan: Bist du NICHT für das Dogma, dann bist Du ge­gen uns (dessen Befürworter) und folglich kein Christ, stattdessen Feind, den man verfolgen und vernichten muss. Die feindliche Übernahme erst Europas, dann des Rests der Welt, nahm seinen Anfang. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Teufel, komm raus!

Copyrights 2008 Ko-Sen

Mit der Headline, „Auf Teufel komm raus,“ hat die Süddeutsche Zeitung in ihrer Ausgabe zu Fronleichnam auf ein besonders gespenstisches Highlight aktueller religiöser Praxis der katholischen Kirche hingewiesen. Die Rede ist von Exorzismus oder Teufelsaustreibung. Was wie ein schauriger Brauch des dunklen Mittelalters oder eine makabre Provokation respektloser Gothic-Anhänger klingt, ist tatsächlich eine vermeintlich magische Handlung, die Bischöfe und der Papst ausdrücklich gut heißen und fördern. Weiterlesen

Weihnachtsgeschichte – es kommt darauf an, was man daraus macht

Film- und Download-Tipp: Der Faktencheck mit Petra Gerster

Gerade bei Kindern wirkt es mächtig beeindruckend, wenn der Pfarrer mit ernstem Blick und Gefahr signalisierendem Tremo­lo in der Stimme in seiner Weihnachtsandacht den Massenmörder Hero­des erwähnt, wie der den mutmaßlich gerade geborenen „König der Könige“ – also Jesus von Nazareth – als potenziellen Konkur­ren­ten ausschalten will, indem er anordnet, im Land alle Kleinkinder unter zwei Jahren zu meucheln. Blöd nur, der Aufruf zum Kindermas­senmord ist reine Fiktion.

Heilige drei Könige, laut ZDF-Doku Erfindung frommer Gläubiger des sechsten Jahrhunderts, mit missionarischen Hintergedanken. (*)

Die zugleich unterhaltsame UND aufklärerische ZDF-Doku Das Geheim­nis der Geburt Jesu nimmt den Kinderschreckerzählungen im Namen des Kirchendogmas ihren Schneid ohne einem dabei gleich das Vergnügen an Krippen­spiel und Weihnachten auszutreiben. Weiterlesen

Wahn eines selbsternannten Okkultisten und begnadeten Malers

Ein spannender Biografie- und Historienkrimi zu Nikolai Roerich

Nikolai Roerich (1874-1947). Abb.:
Einband des besprochenen Buches

Was ist ein Okkultist? „Eine Biografie erschließt den Maler und Okkultisten Nikolai Roerich…1“ – so die Headline einer großen Zeitung zu ihrer Re­zen­sion eines Werkes, das eher ein Biografie- und Historienkrimi ist. Bezüg­lich Roerichs Okkultis­mus-Neigung beweist das Buch von Ernst von Waldenfels eher das Gegenteil. Der russische Maler Nikolai Roerich wäre gern einer gewesen. In Wirklich­keit war er das trau­rige Opfer des „Familienorakels Morya“, eines astralen Dämonen, der sich jahr­zehntelang über die mutmaßlich lädierte Psyche seiner Frau Helena vermittels Rücken von Tischen, Visionen und automa­tischem Schreibens manifestierte. Ein Wahn, dem neben Roerich noch zahlreiche andere Menschen erlagen und bis heute erliegen. Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, 17. Januar 2012

9/11 – Mission Accomplished?

Wer immer die Anschläge vom 11. September 2001 geplant und generalstabsmäßig mit höchster Präzision durchge­führt hat – die Aktion war bisher – leider – ein voller Erfolg. Oder auf amerikanisch: mission accomplished. Was aber war die Mission? In der Fülle an TV-Dokumentationen anlässlich des Jahrestages von 9/11 gibt vor allem die ZDF-Doku „Nine Eleven“ eine schlüssige Antwort.

9/11 als Massenhypnose: „Deutlich zu erkennen“ – hier ist gerade ein Verkehrsflugzeug eingeschlagen. Foto: DoD photo by Tech. Sgt. Cedric H. Rudisill

Ohne sich zwischen öffentlichen Erklärungsversuchen und mutmaßlichen Verschwörungstheorien zu verlieren zeichnen die Autoren, Elmar Theveßen und Souad Mekhennet, die fatalen Folgen der Attacke auf. Dabei wird klar: Ob der Terror von 9/11 nun islamisch motiviert oder die Inszenierung der faschistoiden Rechten Amerikas war – die Ziele sind dieselben: die Nachhaltige Einschränkung der freiheitlichen demokra­tischen Grundordnung und eine religiös motivierte Polarisierung der Gesellschaft. Weiterlesen

Methode Hill und die strikt wörtliche Auslegung religiöser Schriften

Ein Thriller als psychologische Skizze zu Ursache, Wirkung und Folgen einer strikt wörtlichen Auslegung religiöser Schriften? Was sehr bemüht klingt ist in der Folge Verlorene Seelen der im ZDF ausgestrahlten Serie „Hautnah – Die Methode Hill“ auf brillante Weise gelungen. Der Protagonist Dr. Tony Hill wird in einer Serie von Morden und Selbstmorden von der Polizei zu Hilfe gerufen.

Erhabene metaphorische Symbolbilder, hier aus SPLENDOR SOLIS, können bei strikt wörtlicher Auslegung fatale Folgen haben1. Abbildung: Privatbesitz

Tony ist bekennend nicht gläubig. „Man kann doch einem Unbekannten nicht blind vertrauen“, ist eine seiner Antworten auf die religiös verzückte Überzeugung eines Kollegen, der Sinn des Lebens liege im Glauben an Gott, insbesondere den Gott des Alten Testaments. Der Thriller skizziert spannungsgeladen, wie schnell aus ans Herz gehenden Predigten tödlicher Fanatismus werden kann, wenn man religiöse Schriften strikt wörtlich auslegt. Weiterlesen

  1. Der „totgeschlagene Mensch“ im alchemischen Werk SPLENDOR SOLIS symbolisiert den Kampf des Suchers auf dem Pfad mit seiner astral-physischen Natur. Um sich bewusst zu seinem Seelenfunken erheben zu können, sind die astral-physischen Bindungen zu neutralisieren. Das ist ein radikaler Prozess der für den Sucher besondere physische und psychische Anforderungen zur Folge hat. Wehe, wer daraus wörtlich die Aufforderung zum Verstümmeln eines Körpers ableitet. Der ist kein Sucher, sondern ein Fall für die Psychiatrie.

Theosophie: Weisheitslehre oder Mummenschanz?

Einen eigenen redaktionellen Schwerpunkt hat neulich eine große deutsche Tageszeitung dem Phänomen Anthroposophie gewidmet1. Dabei fanden auch die eigentlichen Wurzeln der anthropo­so­phischen Bewegung eine angemessene Würdigung. Anthroposophie ist Rudolf Steiner. Die Wurzel von Steiners Thesen jedoch sind die uralten und zeitlosen Weisheitslehren, die im letzten Viertel des 19. Jahrhun­derts durch Helena Petrovna Blavatsky, William Quan Judge und Henry Steel Olcott einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.

Motto der Theosophie des 19. Jh.: Es gibt keine höher stehende Religion als die Wahrheit.

Nach dem Weggang von Blavatsky (1891) und Judge (1896) versank die Theosophie jener Zeit „bald in einem argen Mummenschanz2.“ Jenen Mummenschanz haben selbst ernannte Nachfolger von Blavatsky und Judge zu verantworten. Bis heute fehlt eine selbstkritische Aufarbeitung dieser Fehlentwicklung durch jene Gruppen, die sich unverändert auf jene „Nachfolger“ berufen. Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, Samstag, 26. Februar 2011
  2. Ebenda; Thomas Steinfeld: DAS BUNTE GENIE
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