Demokratie – Missbrauch als machtpolitischer Trojaner

Trojanisches Pferd - Symbolbild

Trojanisches Pferd, Mount Olympus Water & Theme Park, USA.

Wie heute die Demokratie war es damals das Christentum – ihre Protagonisten wähnen sich dazu berufen, die Welt damit zu beglücken. Zur Begründung gibt es nur die erhabensten Argumente: damals ging es um nichts Gering­eres als die „Rettung der Seelen“ der Menschen fremder Völker und Länder; heute geht es um „Freiheit und Marktwirtschaft“. Aus der Geschichte weiß man, dass dabei das Christentum als machtpoli­tischer Trojaner für die nach Weltherrschaft strebende Kurie in Rom missbraucht wurde. Wer sich die Welt nach dem ersten Einmarsch im Irak 2003 anguckt kann wissen: Freiheit und Demokratie wurden und werden als machtpolitischer Trojaner benutzt, um fremde Völker und Länder für einen singulären Weltmacht-Anspruch „reif“ zu machen. Das Zentrum der Weltmacht heißt aber nicht mehr Rom, sondern Washington. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Buchmesse Frankfurt 2010: Leeres Spiel und Selbstinszenierung

Beobachtungen auf der Buchmesse Frankfurt

Babystrich auf der Buchmesse? Am helllichten Tag? Die Roll­trep­pe fährt einer am Geländer stehenden Gruppe weiblicher Teenager entgegen. Ein dickliches Mädchen fällt auf. Sie ist um die 15 Jahre alt, steht mit dem Rücken zur aufwärts schwebenden Menge und trägt knapp sitzende bunte Shorts aus dünnem Stoff. Nein, das sieht nur so aus.

Cosplay: Im Samurai-Kostüm kostenlos zur Buchmesse. (*)

Die verkleideten Teenager sind „Cosplayer1“, die sich traditionell mit einem Anime-Gewand den kostenlosen Zugang zur Buchmesse verdie­nen. Offenbar findet es das Mädchen – und deren Eltern – angemessen, dabei den mehr erotischen Aspekt des Cosplay zu spielen. Obwohl der Aufzug nichts Erotisches hat. Leeres Spiel und Selbstinszenierung – die scheinbar vorherrschenden Merkmale der Buchmesse 2010 in Frankfurt am Main. Weiterlesen

  1. Cosplay: costume play („Kostümspiel“)

THE AMERICANS: Tragisches Scheitern im Kampf für weltliche Ideale

The-americans-title-card by DreamWorks Television

The-americans-title-card by DreamWorks Television

Sowjetische Schläfer in Amerika. Jung selektiert, hart trainiert und abgerichtet auf gnadenlose Erfüllung ihres Auf­tra­ges. Und auf der Gegenseite – reine Patrioten mit nur hehren Zielen im Blick: die Verteidigung von Demo­kra­tie und Freiheit vor kom­munisti­schen Bösewichten. Liest man die Programminformation zur erfolg­reichen US-Fernsehserie THE AMERICANS wähnt man sich ziemlich sicher doch nur wieder an die gerade salonfähige antirussische Propaganda zu geraten. Dann eher zufällig eine Folge gesehen – und sofort beide Staffeln gekauft. Denn es ist ganz anders. THE AMERICANS ist ein filmisches Meisterwerk, das am Gegenstand eines spannenden Agententhrillers und vor dem Hintergrund der Reagan-Ära die Tragik des Ideals die Welt verbessern zu wollen zeichnet. Tragisch deshalb, weil der Kampf für dieses Ideal wie alles irdische Streben am Ende scheitern muss. Keri Russel und Matthew Rhys (als Spionen-Ehepaar Elizabeth and Philip Jennings) und Noah Emmerich (als Stan Beeman, Spionenjäger des FBI) spielen auf eine sensible das Herz berührende Weise den Weg des Scheiterns. Weiterlesen