Meditation als Grundhaltung oder wie sich Möhren unfallfrei putzen lassen

Über The Yoga Aphorisms of Patanjali – Sure I.14

Jede Turnübung beginnt mit der Einnahme einer Grundhaltung. Bei genauer Betrachtung – ein allgemeines Prinzip. Denn was immer man im Alltag „beginnt“ beginnt mit einer kurzen oft kaum wahrnehmbaren Ausrichtung seiner selbst und der Dinge die dabei benötigt werden.

Programm „Möhren putzen“. (*)

Das ist wie, als ob man sich „programmieren“ würde. Lautet das Programm etwa „Möhren putzen“, werden erst Möhren, Brett und Messer bereitgelegt. Danach geht alles scheinbar wie von selbst vonstatten, vorausgesetzt, man hält sein Denken auf Abstand. Wer ohne „Program­mierung“ Möhren schneidet oder zwischendurch an anderes denkt – riskiert eine Schnittwunde. Sure I.14 der Yoga Aphorismen des Patanjali widmet sich diesem Aspekt der Praxis. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Merkel-Administration: „Die ist irre“ oder der Führer wars

Mit Video zum Interview von WELTNETZ-TV mit Uli Gellermann

Hieronymus Bosch, „Der Steinschneider“ (um 1485). Abb. gemeinfrei

Hieronymus Bosch, „Der Steinschneider“ (um 1485). Abb. gemeinfrei

Als Thomas Mann kurz nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands von Zürich aus über die heutige Autobahn A8 mit dem Auto nach München fuhr, empfand er vereinfacht ausgedrückt Ekel. Die vielen Hakenkreuzfahnen hatten sich in der „Hauptstadt der Bewegung“ scheinbar in Luft aufgelöst. Versuchte er mit den in den Trümmern des „Tausendjährigen Reiches“ ums Überleben kämpfenden Deutschen in einen Dialg darüber zu kommen, wie das alles hat passieren können, bekam er wiederholt sinngemäß zur Antwort: der Führer wars. Schon früh erkannten die Menschen intuitiv die Chance, wie man sich eine weiße Weste zulegen konnte: die im Namen des Führers begangenen Greuel dem Führer zuschieben und ansonsten sich eisern darauf berufen, von allem nichts gewusst zu haben. Weiterlesen

Stille Einsicht und schrittweise Loslösung führen zur WAHRHEIT

Über Yoga Aphorisms of Patanjali – Sure I.13

Einsicht finden. Bild: Heinz Knotek

Einsicht finden. Bild: Heinz Knotek

Die Wahrheit hinter allen flüchtigen Formen zu erkennen ist es was den Sucher auf dem Pfad „reizt“. Vor allem am Anfang des Pfades. Doch da offenbart sich schon die erste Fallgrube. Denn unser Ego, also die aktuelle flüchtige Manifes­tation unseres SELBST, findet das „reizend“. Also fängt es an, ehrgeizig an sich zu arbeiten.

Es meditiert, betreibt Konzen­trationsübungen, ernährt sich strikt vegetarisch – alles ziel­gerichtet und mit Vehemenz. Doch bestenfalls wird dadurch der Körper nur etwas kraftvoller und das Denken im alltäglichen Da­seins­kampf etwas schärfer. Wahrheit taucht keine auf. Denn nicht for­ciertes Tun des Egos, sondern stille Einsicht in dessen mentale Un­ruhe und emotionales getrieben Sein führen zur Wahrheit. Weiterlesen

Zuschauer sein beim Bühnenstück, genannt „mein“ Leben

Alltägliche Rackerei - ein alchemisches Symbol. Abb. aus SPLENDOR SOLIS von Salomon rismosin (um 1582), Privatbesitz

Alltägliche Rackerei – ein alchemisches Symbol. Abb. aus SPLENDOR SOLIS von Salomon rismosin (um 1582), Privatbesitz

Bühnenstücke absor­bieren Zuschauer heute weniger als dass sie einen subti­len „Kunstgenuss“ vermitteln. Völlige Absorbierung bieten eher Computerspiele und Pop-Konzerte angesagter Megastars. W. Q. Judge würde daher heute Sure zwei der Yoga-Aphorismen des Patanjali vermutlich etwa so ins Englische übertragen1:

At the time of concentration the soul abides in the state of a player of a computer game without a computer game.

Das Bühnenstück oder Computer­spiel unserer physischen Existenz ist mental und emotional dermaßen absorbierend, dass wir es „mein Leben“ nennen und uns damit freiwillig in Geiselhaft der Projek­tionen unseres Denkens begeben. Gelingt es diesen Mechanismus zu knacken, wird Computerspiel wieder Computerspiel und die Seele frei. Weiterlesen

  1. Im Original: At the time of concentration the soul abides in the state of a spectator without a spectacle. (Los Angeles, 1987)

Modifikationen des Denkprinzips: Man ist, worauf man sich konzentriert

Konzentration … ist das Aufhalten der Modifikationen des Denkprinzips (I.21). Vom Gemüse putzen bis zum Verfassen einer wissenschaftlichen Abhandlung – immer ist die Fähigkeit zur zielgerichteten und anhaltenden Konzentration der Schlüssel zum Erfolg. Das Besondere dabei: Um konzentriert zu sein muss man NICHT etwas Bestimmtes tun, sondern etwas zum AUFHÖREN bringen – das ständige Modifizieren des Denkprinzips.

Konzentration auf das Wesentliche heißt Dimmen der Modifikationen des Denkprinzips. Der Elster fällt das leicht, da bei ihr das Denkprinzip kaum individualisert ist. (*)

Defizitäre Konzentration ist nicht die Folge eines Mangels oder des Fehlens von etwas das entsprechend „nachzufüllen“ wäre. Vielmehr ist der Zustand konzentrierten Seins stets vorhanden, aber nur versunken unter einer Flut innerer und äußerer physischer Sinnenreize sowie Strömen emotionaler und mentaler Eindrücke, die der gehirnbasierte Verstand in Myriaden von Gedanken umsetzt und damit unser Denk­prinzip flutet. Unfreiwillig wird man dabei das, was diese Gedankeflut so „anspült“. Gelingt es diese Flut einzudämmen ist man konzentriert. Weiterlesen

  1. Im englischen Original:

    Concentration, or Yoga, is the hindering of the modifications of the thinking principle.

    Quelle: The Yoga Aphorisms of Patanjali. An Interpretation by William Q. Judge; Kapitel I (Concentration)

Festplattencrash – wie ein kleiner Tod

Ein Erfahrungsbericht

Festplatten-Leiche. (*)

Todsein ist etwas bedroh­lich Finales, wenn man es bewusst wahrnehmen kann. Üblicherweise bleiben Betrach­tungen zum Tod abstrakt und im Konstrukt „was-wäre-wenn“ stecken, denn wer mit dem Tod selbst zu tun hat bei dem kommt auch die gewohnte physische Wahrnehmung zum Ende. Der vollkommene und überraschende Crash der Festplatte des Arbeits­computers, an dem man täglich mehrere Stunden tätig ist, mit dem man alle Medien verwaltet und auch Musik hört, der sämt­liche Stamm- und Bewegungs­daten der beruflichen und privaten Kommunikation enthält – so ein plötzlicher Totalverlust ist wie ein kleiner Tod. Man ist entsetzt, fassungslos, kann es erst nicht glauben. Das Gute dabei: Der Vorfall zeigt auch, wie weit die Identifikation des Seelenfunkens mit der Materie schon gegangen ist. Zeit für eine Umkehr. Weiterlesen

Ist unser Leben „seelengerecht“?

Mit der spirituellen Fabel „Das Blut der Schlange1“ von W. Q. Judge

Taucht man einen geschliffenen Diamanten in ein Güllefass reflektiert er makellos und in völliger Klarheit – den Inhalt des Güllefasses. In den Weisheitslehren wird der Seelenfunken des Menschen oft mit Diamanten verglichen, oft mit einem ungeschliffenen. Das Leben, so heißt es, schleift diesen „Diamanten“ so lange, bis schließlich das göttliche Licht ohne jeden Makel durch ihn hindurch scheinen kann.

Diamanten, vom Leben geschliffen… Foto: Mario Sarto

Doch bevor ein Diamant Licht reflektieren kann, muss das Licht erst einmal auf ihn auftreffen – ihn erreichen – können. Damit der Seelenfunken das göttliche Licht wiedergeben kann, muss er im Licht SEIN, bedarf es einer seelengerechten Lebenshaltung. Ist unser Leben „seelengerecht“? Der irisch-amerikanische Mystiker und Theosoph, William Q. Judge, hat dazu eine mystischen Fabel überliefert. Weiterlesen

  1. im engl. Original: The Serpent’s Blood
Seiten: 1 2 3 4 5 ... 7 8 Vorwärts