„Theosophische Gesellschaft 2.0“ als erneuernder Reformimpuls

Gut 120 Jahre hält die Agonie der „Theosophischen Gesell­schaft“ nun schon an. Zersplittert in dutzende Gruppen und Grüppchen kleben die Mitglieder der einzelnen Vereine mit steinharter Trotzigkeit an ihre zweitklassigen „Führer“, die sich einst im Namen der „Mahatmas“ erst um das spirituell-wissenschaftliche Erbe von H. P. Blavatsky und W. Q. Judge bis aufs Blut bekriegt, dann ihre ergatterten Anteile unter den Nagel gerissen und anschließend im spiritistischen Sumpf versenkt oder mit intellektueller Trockenheit erstickt haben. Die Öffentlichkeitswirksamkeit dessen, was heute unter „Theosophischer Gesellschaft“ firmiert ist daher zu Recht nahezu gleich null.

Theosophische Gesellschaft heute: holpriger Pfad im Unterholz. (*)

Dabei sind die Reformansätze für Religion und Wissenschaft, wie sie die 1875 von H. P. Blavatsky, H. S. Olcott und W. Q. Judge in New York gegründete „Theosophical Society“ propagierte, aktueller und nötiger denn je. Weder Religion noch Wissenschaft haben überzeugende und greifbare Konzepte für die Zukunft der Menschheit. Der erneuernde Reformimpuls einer „Theosophischen Gesellschaft 2.0“ wäre also ein Licht im dunklen Tunnel der uns in diese Zukunft führt. Weiterlesen

Wozu Religionen? (IS RELIGION NECESSARY?)

Wenn man bei klarem Verstand und mit wachem Bewusstsein die pseudowissenschaftliche Begründung der „Seligsprechung“ eines Papstes verfolgt, kann man genau so nur mit dem Kopf schütteln wie beim Lesen der hysterischen Hasstiraden muslimischer Prediger, die unwissenden sozial Benachteiligten den unaufhaltsamen Sieg des Islam – auf Kosten der Leben „Nichtgläubiger“ – verheißen.

Feuer-Mord im Namen Gottes: Jan Hus auf dem Scheiterhaufen, Spiezer Chronik (1485). Abb. gemeinfrei

Auch der selbstgerechte Fanatismus von Evangelikalen und radikalen Hindus wirken wie Fiebersymptome einer kranken Gesellschaft. Dem nüchternen Denker mag sich da die Frage aufdrängen: wozu Religionen? Die Zeitschrift THE THEOSOPHICAL MOVEMENT geht in ihrer Ausgabe Oktober 2010 dieser Frage aus Sicht der Weisheitslehren nach. Sie fragt: IS RELIGION NECESSARY? Weiterlesen

Schleichende „Fundamentalisierung“ öffentlicher religiöser Debatten

Friedrich I. Barbarossa als Kreuz-
fahrer – Miniatur aus einer Hand-
schrift von 1188.
Abb. gemeinfrei

Mein Gott, dein Gott, unser Gott? Mein Gott! Wenn sich auf dem indischen Sub­kontinent fanatische Moslems und reaktionäre Hindus mal wieder gegenseitig ihre Gotteshäuser ab­fackeln und die anderen Anhänger massakrieren, dann hört sich das vom „aufgeklärt-demokratischen“ Westen aus wie eine Geschichte aus dem fernen und mutmaßlich dunklen Mittelalter an.

Doch der Eindruck täuscht. Deutschlands neuer Innenminister, Hans-Peter Friedrich, gibt gern den entschlossenen „Gorge-Double-U-Klon“, mit Deutschlandfahne am Revert und suggestiven Sätzen wie diesen: Unsere Kultur ist christlich-abendländisch. Derweil verbrennen fanatische evangelikale Dorfbewoh­ner in den USA öffentlich den Koran1. Sich mit den Feinseligkeiten unter Anhänger von Verkünderreligionen auseinandersetzen ist eigentlich nicht bevorzugte Sache des Suchers auf dem Pfad. Doch auf die schleichende „Fundamentalisierung“ öffentlicher religiöser Debatten sollte jeder klar denkenden Menschen ein wachsames Auge werfen. Weiterlesen

Der Buddhismus-Bluff: Eine Begriffsklärung

Buddhismus geht immer. Wenn dann noch kombiniert mit Pseudo-Kampfkunst und man kann als „Anbieter“ bald mit einem TV-Team rechnen. Und mit einem „Spezial“ im Fernsehen. Bei den – vor allem jungen – nach Gemeinschaft und Selbstüberwindung hungernden Menschen, kommen entsprechende Verheißungen gut an. Dumm nur, dass Begriffe wie BUDDHISMUS, KAMPFKUNST und SHAOLIN, aber auch ZEN, MEISTER oder ABT nicht geschützt sind.

Der lehrende Buddha Shakyamuni (China, 12. Jahrhundert).
Foto: gemeinfrei

Jeder Scharlatan und clevere Selbstdarsteller kann sich des Buddhismus-Bluffs ungestraft bedienen. Und damit sind nicht nur bizarre „Shaolin-Klöster“ gemeint, sondern auch Management-Trainer oder hauptberuf­liche „Philosophen“, die mit Buddhismus-Versatzstücken zahlende Sucher anlocken. Bevor man Geld, Energie und Unabhängigkeit einem „Abt“ oder „Meister“ opfert, kann es hilfreich sein, sich zu verdeutlichen, was Buddhismus eigentlich ist. Nachfolgend eine Begriffsklärung. Weiterlesen

Theosophie: Weisheitslehre oder Mummenschanz?

Einen eigenen redaktionellen Schwerpunkt hat neulich eine große deutsche Tageszeitung dem Phänomen Anthroposophie gewidmet1. Dabei fanden auch die eigentlichen Wurzeln der anthropo­so­phischen Bewegung eine angemessene Würdigung. Anthroposophie ist Rudolf Steiner. Die Wurzel von Steiners Thesen jedoch sind die uralten und zeitlosen Weisheitslehren, die im letzten Viertel des 19. Jahrhun­derts durch Helena Petrovna Blavatsky, William Quan Judge und Henry Steel Olcott einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.

Motto der Theosophie des 19. Jh.: Es gibt keine höher stehende Religion als die Wahrheit.

Nach dem Weggang von Blavatsky (1891) und Judge (1896) versank die Theosophie jener Zeit „bald in einem argen Mummenschanz2.“ Jenen Mummenschanz haben selbst ernannte Nachfolger von Blavatsky und Judge zu verantworten. Bis heute fehlt eine selbstkritische Aufarbeitung dieser Fehlentwicklung durch jene Gruppen, die sich unverändert auf jene „Nachfolger“ berufen. Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, Samstag, 26. Februar 2011
  2. Ebenda; Thomas Steinfeld: DAS BUNTE GENIE

Hölle im Hier und Jetzt

Konzepte wie Himmel und Hölle haben den Vorteil, dass sie allesamt etwas Abstraktes ohne erkennbaren Zusammenhang zum konkreten Hier und Jetzt sind. Zumindest wenn man sie im Kontext einer monotheistischen Religion versteht. Buddhismus und Taoismus sind zwar keine monotheistischen Religionen, kennen aber diese Begriffe ebenfalls und bemühen sich dabei um eine erlebbare und weitgehende Praxisnähe. Möglich wird das durch die Annahme der These, Karma und Reinkarnation seien universelle naturgesetzliche Prinzipien.

Hölle als Nachtod-Verwahranstalt für Bösewichte: Dante And Virgil In Hell (1850) by William-Adolphe Bouguereau. Foto: gemeinfrei

„Höllische“ Lebensumstände haben demnach einen guten Grund. Wer etwa ständiger Verleumdung ausgesetzt ist und auf Schritt und Tritt mit der Unzuverlässigkeit anderer konfrontiert wird, hat sich demnach diese „Hölle“ in einem früheren Leben selbst zubereitet, indem er sich damals an seinen Mitmenschen mit LÜGEN vergangen hat. Wer das glaubt wird zwar nicht selig, beißt sich aber sicherheitshalber lieber einmal zu viel als zu wenig auf die Zunge. Weiterlesen

Johannes Trithemius: Von einem der auszog einen Augiasstall auszumisten (Teil 1)

Mutmaßlichen Bodhisattvas1 der Geschichte auf der Spur

Christliche Mönche standen im 15. Jahrhundert beim Volk in dem Ruf ungebildete Hurenböcke zu sein, die sich gern dem Rausch der Völlerei und Trunksucht ergeben und es sich auf Kosten des eingetriebenen Kirchenzehnten und der Besitztümer der Klöster gut gehen lassen. Anders als etwa in China wäre in Mitteleuropa ein Kloster in abgelegener Höhenlage undenkbar gewesen2.

Relief von Johannes Trithemius; von Tilman Riemenschneider. Foto: CSvBibra/gemeinfrei

Schließlich lag der Schwerpunkt der Klosterbetriebe nicht bei religiöser Disziplin, Enthaltsamkeit und Kontemplation. Außerdem wäre den Mönchen schwer zu vermitteln gewesen, warum sie sich körperlich anstrengende Fußmärsche antun sollten und ein Nachschub an Essen, Trinken und sonstigen „Dienstleistungen“ unnötig zu erschweren sei. Doch dann kam Johannes Trithemius und das zum Augiasstall verkommene Mönchtum wurde mit eiserner Hand reformiert. Weiterlesen

  1. Bodhisattvas sind – vereinfacht ausgedrückt – große Seelen (Sanskrit: maha atma) die im Laufe ihrer Inkarnationen den astralen Zwang zur Reinkarnation überwunden haben, jedoch freiwillig eine Inkarnation annehmen, um vor Ort den fühlenden Wesen auf die eine oder Weise praktische Impulse für ein spirituelles Leben zu geben. Aus „Sicherheitsgründen“ müssen sie dabei ihre noble Herkunft vorübergehend vergessen. Ihr Wirken kann auf allen gesellschaftlichen Ebenen stattfinden. Laut Weisheitslehren kann es auch zu einer „Überschattung“ eines Menschen durch einen Bodhisattva kommen. Der gegenwärtige Dalai Lama gilt als inkarnierter Bodhisattva.
  2. Der Ruf eines buddhistischen oder taoistischen Klosters steht bei den Praktizierenden in China bis heute um so höher, je abgelegener und – wenn möglich – je höher es liegt.
Seiten: Zurück 1 2 3 4 5 ... 10 11 Vorwärts