Gauck und Merkel – die neuen Mauerbauer

Schlecker-Filiale: verschlossen und verrammelt. Bild: Heinz Knotek

Schlecker-Filiale: verschlossen und verrammelt. Bild: Heinz Knotek

Ob den 10.000 entlassen­en, vornehmlich weiblichen und schlecht bezahlten, ehemaligen Schlecker-Mitarbeitern noch die selbstgerechte Gutsherren-Rhetorik von Bundespräsident Gauck anläss­lich seiner Amtseinführung in den Ohren klingt? Die Worthülse „voller Stolz auf die Demokratie zu sein, Mut für die Zukunft und Vertrauen in sich selbst haben“ dürfte dann ihre Verbitterung eher noch verstärken. Zu Schlecker fällt Gauck gerade keine neue Wortgewaltigkeit ein. Dafür dem Kopf vom politischen Wesen, dessen machtpolitischen Wurmfortsatz Gauck verzückt in seinem neuen Amt repräsentiert. Bundeskanzlerin Merkel findet es gut, den 10.000 Schlecker-Mitarbeitern eine Übergangs­regelung zu verweigern: „Eine Transfergesellschaft ist ein Mittel aus einer anderen beschäftigungspolitischen Zeit1“. Gauck und Merkel erweisen sich damit als die neuen Mauerbauer der Gesellschaft. Weiterlesen

  1. Ob sich Merkel dabei auf die SOZIALE MARKTWIRTSCHAFT der Vorwendezeit bezieht, die sie aus eigenem Erleben nicht kennt, da sie zu der Zeit dem SED-Regime als Propaganda-Funtionärin diente?

Festplattencrash – wie ein kleiner Tod

Ein Erfahrungsbericht

Festplatten-Leiche. (*)

Todsein ist etwas bedroh­lich Finales, wenn man es bewusst wahrnehmen kann. Üblicherweise bleiben Betrach­tungen zum Tod abstrakt und im Konstrukt „was-wäre-wenn“ stecken, denn wer mit dem Tod selbst zu tun hat bei dem kommt auch die gewohnte physische Wahrnehmung zum Ende. Der vollkommene und überraschende Crash der Festplatte des Arbeits­computers, an dem man täglich mehrere Stunden tätig ist, mit dem man alle Medien verwaltet und auch Musik hört, der sämt­liche Stamm- und Bewegungs­daten der beruflichen und privaten Kommunikation enthält – so ein plötzlicher Totalverlust ist wie ein kleiner Tod. Man ist entsetzt, fassungslos, kann es erst nicht glauben. Das Gute dabei: Der Vorfall zeigt auch, wie weit die Identifikation des Seelenfunkens mit der Materie schon gegangen ist. Zeit für eine Umkehr. Weiterlesen

Wahn eines selbsternannten Okkultisten und begnadeten Malers

Ein spannender Biografie- und Historienkrimi zu Nikolai Roerich

Nikolai Roerich (1874-1947). Abb.:
Einband des besprochenen Buches

Was ist ein Okkultist? „Eine Biografie erschließt den Maler und Okkultisten Nikolai Roerich…1“ – so die Headline einer großen Zeitung zu ihrer Re­zen­sion eines Werkes, das eher ein Biografie- und Historienkrimi ist. Bezüg­lich Roerichs Okkultis­mus-Neigung beweist das Buch von Ernst von Waldenfels eher das Gegenteil. Der russische Maler Nikolai Roerich wäre gern einer gewesen. In Wirklich­keit war er das trau­rige Opfer des „Familienorakels Morya“, eines astralen Dämonen, der sich jahr­zehntelang über die mutmaßlich lädierte Psyche seiner Frau Helena vermittels Rücken von Tischen, Visionen und automa­tischem Schreibens manifestierte. Ein Wahn, dem neben Roerich noch zahlreiche andere Menschen erlagen und bis heute erliegen. Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, 17. Januar 2012

Kultur der Selbstlosigkeit (The Culture of Altruism)

Selbstlosigkeit oder Altruismus ist eine der ersten Tugenden aller spirituellen Pfade. „Selbst-Losigkeit“ steht dabei für ein Denken und Handeln, das NICHT vom persönlichen Selbst dominiert wird. Das illusorische persönliche „Selbst loszuwerden“ ist ein anstrengender und langwieriger Prozess, der aber zugleich voller Fallstricke ist. Der ernsthaft nach Altruismus Strebende muss sich nicht nur vor Sekten und Kulten in Acht nehmen, die ihm mit Techniken, Einweihungen oder „geistigen Führern“ zum Ich zurück locken.

Almosen geben gilt in vielen Religionen und Kulturkreisen volkstümlich als DER Akt der Selbstlosigkeit. Gemälde von Jacques-Louis David (1748–1825). Abb. gemeinfrei

Die größte Gefahr ist das eigene ICH selbst, das sich sprichwörtlich mit Händen und Füßen dagegen wehrt im Königreich der Selbstbehauptung vom Thron gestoßen – oder zumindest zu einer „konstitutionellen Monarchie“ degradiert – zu werden. Der Sucher hat daher eine Kultur der Selbstlosigkeit zu entwickeln. Weiterlesen

Sinn des Lebens: Buddha sehen und Wissen erwerben

Was ist der Sinn des Lebens? Aus gutem Grund wird der Buddhismus gern als atheistisch deklariert, vor allem von Vertretern jener Religionssysteme, die den Glauben an einen (ihren ganz gruppenspezifischen) anthropomorphen Gott predigen. Buddhisten dagegen empfinden die Aussicht, an einem Tag X in ihrem letzten „Knochensack1“ wiederauferstehen zu müssen eher als Strafe denn als Erlösung.

Chinese Buddhist monks performing a formal ceremony in Hangzhou, Zhejiang Province, China. Photograph: Jon Bragg

Der Buddhist wähnt sich eher als immaterielle Entität, die vorüberge­hend in einem irdischen Gewand im dichten Reich der astralen Materie wandert, das voll ist von schwierigen Verhältnissen und auf Schritt und Tritt leidvolle Schicksalsschläge bereit hält. Dennoch möchte er ausge­rech­net hier gern und auch noch lange leben. Warum? Um Buddha zu sehen (früher oder später), Wissen zu erwerben und innerlich zu wachsen. Weiterlesen

  1. Knochensack: in buddhistischen Schriften gern benutzte respektlose Metapher für die körperliche Persönlichkeit, die im Buddhismus als konditionierte, flüchtige Illusion gesehen wird; also als notwendiges Mittel, nicht aber als Zweck.

Automobilindustrie – schicker Stillstand

Zu Beginn jeden Jahres werden in den Medien die in den nächsten Monaten zu erwartenden Neuheiten der einzelnen Automarken vorgestellt. Doch schon seit Jahren wird dabei kaum mehr als bemühtes Design präsentiert. Neuheiten mit echt technischer Substanz finden sich weit und breit nicht. Im Vorjahr keimte die Hoffnung, in 2012 könnte der große Boom der Elektrofahrzeuge beginnen. Doch das war eine Illusion. Die Automobilindustrie ist geprägt von schickem Stillstand.

Der Neubau einer Autobahn trennt bislang zusammenhängende Lebensräume. Foto: Softeis

Wie kein anderes Industrieprodukt ist das Automobil Verkörperung des ICHs. Benzinpreise höher als DREI kalkulatorische DEUTSCHE MARK lassen die dunkle Ahnung aufkommen, dass früher oder später dem ICH diese Ausdrucksform verloren gehen wird. Einmal mehr hat sich dann das steinharte Bemühen unserer Selbstbehauptung die Zähne ausgebissen. Weiterlesen

Wünschen, Hoffen, Warten – effektive astrale Bindemittel

Zum Jahresbeginn: Keine Wünsche, nicht hoffen, nicht warten

Man solle weder sich etwas wünschen oder auf etwas hoffen noch solle man warten, worauf auch immer. Diese praktischen „Faustregeln“ finden sich unter anderen in den Weisheits­lehrern aller Hochkulturen. Für den modernen Mensch, der ständig darauf aus ist sich zu verwirklichen, zu behaupten, zu beweisen und dieses reflexartige Tun als Ausdruck seines „Selbstbewusstseins“ interpretiert, sind solche Regeln jedoch grausam, dunkel, ja geradezu menschenverachtend und damit unzeitgemäß.

Man muss auch mal warten… Hauptsache dabei nichts erwarten. (*)

Dabei ist das ich-zentrierte Streben nach Selbstverwirklichung im allgemeinen Daseinskampf letztlich die Ursache aller menschenverach­tenden und grausamen Zustände auf der Welt. Und auch dafür, dass wir keinen inneren Frieden finden und hoffnungslos ans Rad von Karma und Reinkarnation gekettet sind. Wünschen, Hoffen, Warten sind dazu effektive astrale Bindemittel. Weiterlesen

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