[Archiv-Auswahl] Bedeutung religiöser Metaphern

Wenn ein hysterischer Mob im Namen seiner Nation und seiner Religion zum Knüppel greift und Menschen anderer Herkunft und anderer Religion im „religiösen Zorn“ ermordet, scheint der Tiefpunkt menschlicher Niedertracht und Dummheit erreicht. Fast immer stecken hinter den aufgewiegelten Massen demagogische Priester, die den ungebildeten Massen das Gift wörtlich gedeuteter religiöser Metaphern ins Ohr geträufelt haben.

Das Schwein - religiöses Symbol für den Sinnenmenschen © Bild: Kô-SenPiggy – in der REISE IN DEN WESTEN symbolisiert er den liebenswürdigen Vielfraß. (*)

Taoismus und Buddhismus erweisen sich dem gegenüber als wahre humanistische philosophische Systeme. Metaphern bleiben Metaphern. Kein taoistischer oder buddhistischer Priester käme auf die absurde Idee, seine Zuhörer etwa aufzuhetzen, Andersgläubige in die Hölle zu schicken, weder wörtlich noch sprichwörtlich. Denn die Hölle ist im sprichwörtlichen Sinne weniger ein Ort im Jenseits, sondern vielmehr ein Zustand im Diesseits.

AVATAMSAKA-SUTRA: nahezu unerschöpfliches
Kompendium für religiöse Metaphern

Das AVATAMSAKA-SUTRA, eine der Basisschriften des Zen-Buddhismus, das auch in taoistischen Texten zitiert wird, ist ein nahezu unerschöpfliches Kompendium für religiöse Metaphern. Kein Mensch bei klarem Verstand würde sich nach der Lektüre des Sutras im Namen eines religiösen Symbols (zum Beispiel Gott) in die Luft jagen und hätte für das Drohen von der Kanzel mit dem Teufel nur ein mildes Lächeln übrig. Die Begriffe folgen der Übersetzung des AVATAMSAKA-Sutras aus dem Chinesischen ins Englische von Thomas Cleary1.

Hells (Höllen)

  • Igrnorance
  • Greed
  • Hatred

Sentient Beings (fühlende Wesen)

Conditions of beeing dominated or compelled by

  • Senses (Empfindungen, Sinne, Gefühle)
  • Feelings (Fühlen, Erregungen)
  • Emotions (heftige Gemütsregungen)
  • Thoughts (Gedankenkreisen)
  • Imprisonment by mundane life
  • At the mercy of its vicissitudes without…
  • … self-mastery
  • … or ability to transcendent compulsive preoccupation with external/internal phenomena

Enlightening Beings (Erleuchtete Wesen)

Fundamental task to rise above the stage of sentient beings, and help others to rise above the fetters of mundane life & sense experience.

Affliction (Leiden)

  • Three poisons (greed, anger, ignorance)
  • Conceit (Eitelkeit, Selbstüberschätzung)
  • Envy (Neid, Missgunst)
  • Jealousy
  • Doubt (Zweifel, Grübelei, Unschlüssigkeit)
  • Wrong views („falsche“ Ansichten)

Was mit „falsche“ Ansichten zunächst demogogisch klingt, erweist sich als Aufruf zu Toleranz und Selbstkritik.

Wrong Views

  1. The notion of truly existent corporal self
  2. Extreme views, wich cling to ideas of permanence or total annhilation
  3. False views, meaning denial or disregarding of causality, or arbitrary superstitious conception of causality
  4. Attachement to opinions and views
  5. Attachment to rituals and rules, peculiary with the idea the enlightenment can be obtained by mechanical adherence to forms

(*) Text/Bild: Kô-Sen

  1. THE FLOWER ORNAMENT SCRIPTURE, A Translation of The Avatamsaka Sutra by Thomas Cleary, Boston, 1993

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