[Archiv-Auswahl] Beim Geld hört die Brüderlichkeit auf, dabei sollte sie hier anfangen

Der Euro ist unser Schicksal! Mit diesem Statement versuchte Bundeskanzlerin Merkel im Dezember 2010 so etwas wie einen emotionalen Appell an die euroskeptische Wirtschaft und die euromüde Bevölkerung. Grundtenor des Aufrufs: Nun, da der Euro einmal da ist, können wir ihn nicht mehr aufgeben. Also machen wir das Beste daraus.

Rettungssschirm für Spekulanten und Bruchbanker. Grafik: PiRK

Doch der Europakt war nie als unumkehrbares Schicksal nach dem Prinzip „alles oder nichts“ konzipiert. Eher als Chance für eine noch zu vollziehende politische Vereinigung. Die Chance wurde bislang vertan. Der Zugang zum Euroraum wird vor allem unter dem Blickwinkel möglicher Vorteilsnahmen gesehen und angestrebt. Einzelne Staaten haben sich dazu mit gefälschten Wirtschaftsdaten den Euro-Zugang erschlichen – quasi eine kriminelle Handlung. Und diejenigen, die einst den Europäern den Euro mit fast autistoider Hartnäckigkeit oktroyiert haben, sind noch immer an der Macht.

Der Euro ist ein Kind der Angst.

Die Warnungen in der Wirtschaftspresse reißen nicht ab. Fast täglich gibt es neue pikante Details zum Rettungsschirm der nichts anderes ist als eine gigantische Schuldenanhäufung vor allem zu Gunsten jener Spekulanten und Bruchbanker, die maßgeblich die Euro-Spekulationen unverändert am Laufen halten. Ein Teufelskreis. Haften müssen für diesen Wahnwitz die Volkswirtschaften. Und wohl weislich halten sich Kommentatoren mit Beschreibungen zurück, wie denn ein volkswirtschaftlicher Bankrott konkret aussehen könnte. Denn in dem Fall wird es – etwa in Deutschland – nicht darum gehen die schicken Euro-Geldscheine gegen die Retro-Deutschmark „zurückzutauschen.“ Wut, Angst und Unsicherheit könnten sich in Unruhen entladen, wenn das Bezahlen an den Tankstellen nicht mehr klappen will und der Staat Rentnern, Arbeitslosen und Bedürftigen plötzlich keine monatlichen Zahlungen überweisen kann.

Der Euro ist ein Kind der Angst. Staaten mit gleicher Währung, so die Argumentation zur Euro-Einführung, gehen von Haus aus friedlich miteinander um. Eine Gemeinschaftswährung wäre demnach das Allheilmittel gegen die Jahrhunderte währenden wechselseitigen kriegerischen Feindseligkeiten der europäischen Völker untereinander. Doch spätestens seit dem verfassungsrechtlich bedenklichen Aufspannen eines finanziellen „Rettungsschirms“ für finanzielle und wirtschaftlich gescheiterte Staaten wird deutlich, dass auch der Euro keine nachhaltige Harmonie und Sicherheit in Europa garantieren kann. Im Gegenteil – die vor allem durch Hoffnung auf Vorteilsnahme motivierte Teilnahme immer neuer Staaten verwandelt den Euro immer mehr in ein zerbrechliches Spekulationsprodukt. Früher oder später wird die Währung den divergierenden Spannungskräften nachgeben müssen.

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Ungarn beschneidet die Pressefreiheit1 – ttt – DAS ERSTE

Eine friedfertige Brüderlichkeit unter Europäern ist weit und breit nicht in Sicht. Im Gegenteil – ausufernde Europa-Bürokratie und die zunehmende Angst vor einem Zusammenbruch, lässt nationale Kräfte erstarken. In Ungarn machen rechtskonservative Kräfte mit der starken politischen Hand ernst und kreieren einen Ein-Parteien-Staat, der den europäischen Gedanken pervertiert. In Frankreich wird plötzlich der rechtsradikale Front National salonfähig, indem er gegen Ausländer und Muslime wettert und die Abschaffung des Euro propagiert. Der Euro hat keine Brüderlichkeit gebracht. Im Gegenteil, das bis zu dessen Einführung herrschende Status quo an Gemeinsinn und europäischer Friedfertigkeit droht verloren zu gehen. In einer Rette-sich-wer-kann-Stimmung kochen alte nationalistische Vorbehalte und Egoismen wieder hoch. Wenn der Euro platzen sollte, ist die Idee brüderlicher Gemeinschaft längst verloren gegangen.

Nicht die EIGENEN Interessen dürfen im Vordergrund stehen

Was ist nun zu tun? Soll man kleine Goldbarren unter dem Kopfkissen verstecken, nur mit vollem Autotank ins Wochenende gehen und ansonsten warten und bangen? Der Sucher auf dem Pfad dürfte dem Euro-Hype immer skeptisch gegenüber verblieben sein. Brüderlichkeit unter Menschen ist mit Geld nicht zu erlangen. Brüderlichkeit beginnt im eigenen Denken, Fühlen und Handeln. Die Fixierung auf persönliche Vorteilsnahme um jeden Preis muss zunächst in uns selbst in einen alttagstauglichen Altruismus umgewandelt werden. Dann erst kann ein Land oder eine Gemeinschaft von Völkern beginnen, solche Grundsätze verfassungsgebend zu formulieren. Eine innerlich starke und nach außen offene Gemeinschaft braucht zudem eine erhabene Philosophie und einen glaubhaften moralischen Kodex. Nicht die EIGENEN Interessen dürfen im Vordergrund stehen. Wahrung eigener Interessen hat nur dann den Segen kosmischer Harmonie, wenn der Einklang mit dem Gemeinwohl treibendes Motiv ist.

Solange wir Europäer nicht in der Lage sind uns von äußerlichen Unterscheidungen, Konkurrenzkampf und Feindseligkeiten zu verabschieden, werden wir langfristig weder Frieden noch wirtschaftliche Stabilität erlangen können. Stattdessen liefern wir unserem Karma nur immer neue Angriffspunkte uns zurückzuwerfen. So lange, bis wir unsere Lektion gelernt haben.

Linksunten:

Rechtsextreme in Frankreich: “Im Namen des Vaters” links_yellow.gif

  1. Die große Adeptin Mária Szepes würde entsetzt sein, welchen rückwärts gewandten Weg ihr Land eingeschlagen hat.

Übersicht der Artikel zur Serie

  1. Astrologie: Ofen aus für Casino-Kapitalismus (11.10.2008)
  2. Europäische Währungsunion: Entführung auf dem Stier oder Tanz um das goldene Kalb (13.05.2010)
  3. Beim Geld hört die Brüderlichkeit auf, dabei sollte sie hier anfangen (14.01.2011)
  4. Oktroyierte Einheitswährung – der Fluch des Euro (01.07.2011)
  5. Endlich ist unser Geld ganz sicher – weg! Oder: Euro-Rettungspaket ein Homunkulus? (01.11.2011)
  6. Euro-Krise: „Wollt ihr den totalen Untergang?“ (12.05.2013)

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