[Archiv-Auswahl] Ist das Vesakh-Fest in Deutschland bald staatlicher Feiertag?

Eigentlich eine gute Sache, dass nun auch anderen Konfessionen staatliche Feiertage zugestanden werden, dass die – eigentlich durch die Verfassung nicht legitimierte – Bevorzugung EINER Religion zum Ende kommt. Vorausgesetzt, die Option steht gleichberechtigt allen Religionsgemeinschaften offen. Doch das ist offenkundig (noch) nicht der Fall. Ausgerechnet einzelne Glaubensrichtungen der Religionsgemein­schaft1, die in der Frage der Integration am meisten in der Diskussion steht, werden in der Hansestadt Hamburg nun bevorzugt.

Vesakh-Fest in München. Foto: gemeinfrei

Also Zeit, dass auch die zahlreichen Buddhisten ihren staatlichen Feier­tag bekommen, das Vesakh-Fest. Das wäre dann etwas wirklich Neues. Christliche und muslimische Feiertage erinnern ja fast immer an mut­maß­liche oder wirkliche blutige Ereignisse. Beim Vesakh-Fest dagegen geht es „nur“ um Geburt, Erleuchtung und Erlösung.

Buddha selbst nachstreben

Das Vesakh-Fest ist ein Feiertag, an dem an die Geburt, Erleuchtung und Erlösung vom Rad der Wiedergeburt von Buddha Shakyamuni vor mehr als 2500 Jahren in Nordindien erinnert wird. Das Fest findet am ersten Vollmond im Mai jeden Jahres statt und zählt in den buddhistischen Ländern Asiens zu den größten und bedeutendsten Ereignissen im Jahreslauf. Seit dem Jahre 2000 ist das Vesakh-Fest von der UN als offizieller weltweiter Feiertag anerkannt.

Das Vesakh-Fest dient vor allem der Erinnerung, SELBST Buddha nachzustreben. Geboren sind wird ja schon. Bleibt also noch die Erleuchtung und die Erlösung vom Rad der Wiedergeburt. Da letzteres kaum in einer Inkarnation zu schaffen ist, es gleichzeitig nicht einfach ist eine Inkarnation zu erlangen, die auch spirituelle Praxis ermöglicht, kann dieser Tag dazu dienen sich vorzunehmen, die vorhandenen Lebensum­stände noch besser im Sinne des Buddha-Dharma zu nutzen. Und das heißt vor allem Mitgefühl zeigen und sich selbst zurückzunehmen.

Das Vesakh-Fest ist vollkommen pazifistisch. Lämmer etwa müssen nicht um ihr Leben bangen, weil sie religiös motiviert als Opfertier oder leckerer Lammbraten enden müssen. In den Allegorien zu Buddhas Lebensweg finden sich weder blutrünstige Horrorbilder noch Gruselgeschichten. Es werden auch keine Götter angebetet oder fixe Glaubensbekenntnisse gefordert. Es dürfte kein zweites religiöses Fest geben, das mehr als staatlicher Feiertag geeignet wäre als das friedvolle Vesakh. HEINZ KNOTEK

  1. Es betrifft die organisierten Muslime und Aleviten, insgesamt so um die fünf Prozent der Hamburger Bevölkerung.

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