Merkel-Administration: „Die ist irre“ oder der Führer wars

Mit Video zum Interview von WELTNETZ-TV mit Uli Gellermann

Hieronymus Bosch, „Der Steinschneider“ (um 1485). Abb. gemeinfrei

Hieronymus Bosch, „Der Steinschneider“ (um 1485). Abb. gemeinfrei

Als Thomas Mann kurz nach dem Zusammenbruch Nazideutschlands von Zürich aus über die heutige Autobahn A8 mit dem Auto nach München fuhr, empfand er vereinfacht ausgedrückt Ekel. Die vielen Hakenkreuzfahnen hatten sich in der „Hauptstadt der Bewegung“ scheinbar in Luft aufgelöst. Versuchte er mit den in den Trümmern des „Tausendjährigen Reiches“ ums Überleben kämpfenden Deutschen in einen Dialg darüber zu kommen, wie das alles hat passieren können, bekam er wiederholt sinngemäß zur Antwort: der Führer wars. Schon früh erkannten die Menschen intuitiv die Chance, wie man sich eine weiße Weste zulegen konnte: die im Namen des Führers begangenen Greuel dem Führer zuschieben und ansonsten sich eisern darauf berufen, von allem nichts gewusst zu haben.

Dann sind auch die von
der Merkel-Administration irre

Wenn man das Interview mit Uli Gellermann verfolgt, muss man sich wundern, wie einfach sich die Situation in Deutschland 2015 beschreiben lässt: Die Merkel-Administration gibt sich ganz offensichtlich mit Irren ab. Daraus formuliert Gellermann den sich von selbst aufdrängenden Rückschluss: Dann sind auch die von der Merkel-Administration irre. Einer möglichen Verleumdungsklage sieht er gelassen entgegen. Gellermann vertraut der Logik seiner Argumentation, wonach sinngemäß eins und eins eben zwei sein muss.


© weltnetzTV

2013, das Jahr der letzten Bundestagswahl, und 1933, das Jahr der nationalsozialistischen Machtübernahme 80 Jahre zuvor kann man natürlich nicht vergleichen. Es fällt jedoch auf, dass in beiden Fällen deutsche Wähler eine Situation schufen, die es einer einzelnen Person und der von ihr repräsentierten Partei erlaubten, unanfechtbar von einer parlamen­tarischen Opposition zu regieren. Was aber auch nicht ganz stimmt. Denn ohne die freiwillige Selbstübergabe der SPD an die Merkel-Administration durch deren Partei-Eliten wäre 2013 die autokratisch anmutende Bundesregierung nicht zustande gekommen. Die von ihren Parteiführern betriebene „CDUisierung“ der SPD war jedoch allgemein ersichtlich und das Ergebnis, eine große Koalition, demnach zu erwarten. Stimmt also doch.

Nun soll es eine vierte Ausgabe der Merkel-Administration geben. Umfragen zufolge kann dieses Mal mit einer absoluten Mehrheit der Merkel-Wahlpartei CDU gerechnet werden. Aber wieso das denn? Können die Deutschen nicht mehr eins und eins zusammenzählen, also zwei erkennen oder das was Gellermann als „Irrsinn“ diagnostiziert? Ganz sicher gab es 1933 Deutsche, die insgeheim fassungslos den Kopf schüttelten, dass ihre Landsleute frenetisch einen doch ganz klar als irre erkennbaren „Führer“ nicht nur wählten, sondern sich von ihm bis in den Tod zu allen möglichen Greueltaten verleiten ließen. War es aber womöglich eher umgekehrt? War der Irrsinn ein zum Aufbrechen gereifter Samen im Schoß der damaligen deutschen Zivilgesellschaft und Hitler lediglich Werkzeug eines zur Verkörperung drängenden kollektiven Irrsinns? Dann aber wars eben nicht der Führer, sondern wir Deutsche waren es.

Nicht DIE ist irre. Wir sind es

Knüpft man diese logische Kette weiter bis ins hier und jetzt, dann muss Gellermanns Aussage widersprochen werden. Nicht DIE ist irre. Wir sind es. Der von Gellermann „da oben“ diagnostizierte Irrsinn ist die Verkörperung eines von Irrsinn geprägten Alltags – „hier unten“. Schauen wir uns an und um. Gleichen wir dabei nicht oft dem Patienten des Steinschneiders im Bild von Hieronymus Bosch? Die Steinschneiders von heute öffnen via iCloud, Social Media, Konsum und Dauerunterhaltung unsere Schädel, um uns Ansichten einzutrichtern, die aus uns Rindviecher machen, die Werbung für den Schlachthof betreiben. Wer feinfühlig ist spürt – das kann alles nicht gut enden. Da ist die Versuchung groß, zunächst mitzumachen und dieses Mal schon vorab einem „Führer“ die Verantwortung zuzuschieben. Ob wir damit durchkommen? HEINZ KNOTEK

Linksunten: „Merkel ist irre“

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