Ost-Ukraine: Bewohner werden zu Objekten machtpolitischer Begierde

Merkel und Hollande fliegen zu Poroschenko und dann weiter zu Putin – weil, wie es Merkel zitatwürdig erklärt, „wir es den Menschen in der Ukraine schuldig sind“. Welche Menschen aber meint Merkel? Die aus der Ost-Ukraine? Haben Merkel, Hollande und Co. je gefragt, was die Menschen in der Ost-Ukraine innerlich bewegen mag, was sie hoffen, fürchten, warum ihnen Kiew Angst macht?

Als ob sie geklautes oder
entlaufenes Eigentum wären

In dem sie nie das Gespräch mit den Menschen dort auch nur suchten, sich aber sehr wohl anmaßen, über ihre Köpfe hinweg deren Schicksal zu verhandeln, behandeln Merkel, Hollande & Co. die Menschen der Ost-Ukraine, als ob sie geklautes oder entlaufenes Eigentum der vom „Weltführer“ installierten Statthalter in Kiew wären, machen sie zu verhandelbaren Objekten machtpolitischer Begierden.

2012 wurde die unter anderen wegen Wirtschaftsverbrechen rechtskräftig verurteilte Oligarchin Julija Timoschenko wegen des Verdachts auf Leistenbruch nach Berlin ausgeflogen und in der Berliner Charité wochenlang einer Premium-Behandlung auf Kosten des deutschen Steuerzahlers unterzogen wurde. Höchst persönlich hatte sich Merkel damals für das Wohlergehen der kränkelnden Oligarchin eingesetzt.

Kinder, Frauen und männliche Zivilisten der Ost-Ukraine, die von Granaten verstümmelt werden, die das bankrotte Regime in Kiew unter anderem Dank großzügiger finanzieller Hilfe aus Deutschland beschaffen konnte, können nicht auf die gesundheitsfördernde Gnade der Merkel-Administration hoffen. Es landen keine Rot-Kreuz-Flieger, es werden keine Betten in der Charité vorbereitet. Vielmehr sind die Opfer der ukrainischen Artillerie noch nicht einmal es wert, in den täglichen Nachrichten erwähnt zu werden. Außer, wenn man ein paar Tote und Verstümmelte den Russen oder den „Separatisten“ in die Schuhe schieben kann.

Bald ist Frühling. Dann wandern wieder naturgeschützte Lurche über Deutschlands Landstraßen. Wieder werden beizeiten Tierschützer weder Mühe noch Zeit und Geld scheuen, den Kröten lebenserhaltende Netze am Straßenrand zu errichten. In einem Strategiepapier der NATO findet sich das Konzept einer „Frühlingsschlacht“ zur Rücker­oberung der Ost-Ukraine. Hoffentlich haben die „Separatisten“ bis dahin erfolgreich beendet, was sie gerade im Kessel von Debelzewo praktizieren – die Evakuierung der Zivilbevölkerung, oft trotz ukrainischen Beschusses. Hoffen wir auch, dass bis dahin die Menschen der Ost-Ukraine von Deutschland wenigstens so viel Beachtung und Beistand erfahren können, wie „deutsche“ Kröten an seinen Straßenrändern. HEINZ KNOTEK

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