Ostergeschenk an die Welt – Palmyra ist auferstanden

Ein „Erlebnisbericht“

Palmyra. Foto: Twitter PARTISANGIRL

Palmyra. Foto: Twitter PARTISANGIRL

Ostersonntag 2016 – Palmyra ist auferstanden. Palmyra mit seinen historischen Kulturbauten ist eine Manifestation der griechischen und römischen Wurzeln des heutigen westlichen Kulturkreises christlicher Prägung. Syrien und Russland haben der Welt damit ein besonderes symbolträchtiges Ostergeschenk gemacht. Und die offen oder versteckt gegen Syrien kriegführenden Mächte ein weiteres Mal demaskiert, auch Deutschland.

Barbaren von US-Gnaden?

Das erste Mal hörte ich bewusst von Palmyra, als die schreckliche Meldung von der Enthauptung des langjährigen Leiters des UNESCO-Kulturerbes in Palmyra, dem Archäologen und verantwortliche Wissenschaftler für die Erforschung und Bewahrung der antiken römischen Oasenstadt, Chālid al-Asʿad (1934-2015), im News-Stream auftauchte. Mit 81 Jahren bereits im Ruhestand, ist er vor den überraschend einfallenden Daesh-Barbaren nicht geflohen. Wie auch dutzende Soldaten der syrischen Armee wurde er auf bestialische Weise ermordet. Es heißt, sein geschundener Leichnam wurde zudem öffentlich zur Schau gestellt. Was für ein grausames Schicksal!

Immer und immer wieder über diesen elenden Akt nachdenkend, fiel mir auf, dass Palmyra eine Stadt inmitten der Wüste ist. Man kann sich der Stadt nicht „heimlich“ querfeldein im Gelände anschleichen. Man MUSS die wenigen befestigten Routen benutzen. Wie aber kann es sein, dass eine längere Schlange von mit Bewaffneten beladenen Pickups dem die ganze Welt lückenlos beobachtenden Drohnen-Oberkommando der USA entgeht? Ist es vielleicht kein Zufall, dass die Daesh-Barbaren ausreichend Schlächter dabei haben, um die Notbesatzung der Syrischen Arabischen Armee überrennen zu können? Hat das Drohnen-Oberkommando etwa entsprechende Informationen an die Terroristen geliefert oder sogar den Angriff orchestriert – anstatt die deutlich sichtbar anrückenden Horden mit gezielten Luftangriffen zu neutralisieren? Wie sich zeigte, waren einige Leute aus dem Bekanntenkreis noch 2010 als Bildungs-Touristen in Palmyra. Auch sie sind fassungslos, als sie von den Verbrechen hören.

Dann geht es Schlag auf Schlag. Aus den News-Feed geht hervor, dass die SAA im wahrsten Sinne des Wortes überrannt wurde und sich ohne Chance auf Gegenwehr in die Wüste rund um Palmyra zurückziehen musste. Dabei geraten Dutzende Militärangehörige in Gefangenschaft der Daesh-Barbaren. Antike Tempel werden gesprengt, wertvolle Statuen primitiv zerschlagen – dann das Ungeheuerliche: auf der Bühne des Theaters inszeniert Daesh eine Massenhinrichtung von Soldaten der SAA. Ein empörender Anblick, auch angesichts der ins Land gelockten mutmaßlich syrischen – vornehmlich männlichen – „Flüchtlinge“. Was für ein himmelschreiendes Unrecht. Dort werden Väter, Söhne, Brüder bei der Verteidigung ihrer Heimat Syrien aber auch UNSERER toleranten und säkularen Weltsicht abgeschlachtet; hier lässt man sich willig für ein paar Brosamen innen- und geopolitisch benutzen.

Schon seit 2014 fliegen die USA illegal Einsätze auf dem Staatsgebiet von Syrien, angeblich um den IS zu vernichten. Doch auf wundersame Weise können sich die IS-Terroristen ungehindert gegen die Landesverteidigung Syriens in langen Autokolonnen sammeln und seltsam treffsicher Positionen der SAA angreifen. Sind die Barbaren etwa von US-Gnaden?

Palmyra von Regierungstruppen befreit

Ostern 2016 haben Syrien und Russland sich und der Welt ein besonderes symbolträchtiges Ostergeschenk gemacht: mit offizieller Erlaubnis der syrischen Regierung hat die russische Luftwaffe die Rückeroberung von Palmyra durch die syrische Armee unterstützt. Ostersonntag war das verstümmelte Palmyra frei – wenn man will „wieder auferstanden“ von den Barbaren. Russlands Präsident Wladimir Putin hat seinen syrischen Amtskollegen Baššār Ḥāfiẓ al-Asad angerufen und ihm zur Befreiung gratuliert. Die UNESCO hat bereits verlauten lassen, so bald wie möglich die historischen Stätten in Palmyra inspizieren zu wollen. Und was macht Deutschland? In den Meldungen wird seit Jahren plötzlich von „Regierungstruppen“ gesprochen, anstatt von „Assad-Soldaten“. Sympathie-Anrufe? Fehlanzeige. Unverändert Sanktionen stattdessen. Damit kann nun JEDER wissen, wer hier wen unterstützt. HEINZ KNOTEK

Übersicht der Artikel zur Serie

  1. Syrien: Operation „Niccolo“ oder wem nützt der Bürgerkrieg (22.07.2012)
  2. Deutschland – ein Kriegsmärchen (09.12.2012)
  3. Syrien: Tödlicher Frühling (05.05.2013)
  4. Letzter Trumpf – chemische Waffen (30.06.2013)
  5. USA bomben für Al-Qaida? Ist das des Nobelpreisträgers Kern? (08.09.2013)
  6. Ist die IS in Syrien für die Welt, was der 9/11-Terror für USA war? (23.10.2014)
  7. Ostergeschenk an die Welt – Palmyra ist auferstanden (27.03.2016)
  8. Syrienkonflikt – Lackmustest für die Menschlichkeit (24.10.2016)

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