THE AMERICANS: Tragisches Scheitern im Kampf für weltliche Ideale

The-americans-title-card by DreamWorks Television

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Sowjetische Schläfer in Amerika. Jung selektiert, hart trainiert und abgerichtet auf gnadenlose Erfüllung ihres Auf­tra­ges. Und auf der Gegenseite – reine Patrioten mit nur hehren Zielen im Blick: die Verteidigung von Demo­kra­tie und Freiheit vor kom­munisti­schen Bösewichten. Liest man die Programminformation zur erfolg­reichen US-Fernsehserie THE AMERICANS wähnt man sich ziemlich sicher doch nur wieder an die gerade salonfähige antirussische Propaganda zu geraten. Dann eher zufällig eine Folge gesehen – und sofort beide Staffeln gekauft. Denn es ist ganz anders. THE AMERICANS ist ein filmisches Meisterwerk, das am Gegenstand eines spannenden Agententhrillers und vor dem Hintergrund der Reagan-Ära die Tragik des Ideals die Welt verbessern zu wollen zeichnet. Tragisch deshalb, weil der Kampf für dieses Ideal wie alles irdische Streben am Ende scheitern muss. Keri Russel und Matthew Rhys (als Spionen-Ehepaar Elizabeth and Philip Jennings) und Noah Emmerich (als Stan Beeman, Spionenjäger des FBI) spielen auf eine sensible das Herz berührende Weise den Weg des Scheiterns.

Vision von der Befreiung der Menschheit von Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg

Nadeshada und Mischa sind Kinder des Großen Vaterländischen Krieges, wie der Verteidigungskampf der Sowjetunion gegen Nazideutschland hieß. Sie sind gerade mal volljährig, als der Kalte Krieg seinen Lauf zu nehmen begann. Sozialisiert unter kargen lebensfeindlichen Umständen sind sie umso empfänglicher für die Indoktrination der erhabenen Vision von der Befreiung der Menschheit von Ausbeutung, Unterdrückung und Krieg. Und so werden sie mit Anfang 20 vom KGB als Eheleute in die USA geschickt. Sie geben sich nicht einem Land oder einer Sippe hin, sondern DER SACHE (the cause), dem Ideal. Für dieses Ideal sind sie bereit zu leiden und zu sterben, aber auch zu töten.

The Americans’ Matthew Rhys & Keri Russell

© WorldScreen.com

Keri Russell by Gage Skidmore. Foto: Gage Skidmore. Lizenziert unter Creative Commons

Keri Russell by Gage Skidmore. Foto: Gage Skidmore. Lizenziert unter Creative Commons

Kaum ein zweites filmisches Werk dürfte die tiefgehende Tragik von Millionen und Abermillionen Menschen, die ihr Leben dem von der Sowjetunion verkörperten Ideal einer friedlichen und gerechten Welt geopfert haben so alltagserfahrbar gemacht haben wie THE AMERICANS. Aus Nadeshada und Mischa werden Elizabeth und Philip Jennings. Keri Russel und Matthew Rhys gelingt es auf sensible Weise, dem Zuseher den inneren Kampf zwischen „altem Ideal“ und der neuen Lebenswirklichkeit des American Way of Life, fast physisch spürbar zu vermitteln. Am Ende der 26. Folge ist man regelrecht heilfroh, dass Familie Jennings allen tödlichen Gefahren stets gerade noch mal entrinnen konnte. Am Ende will sich die Moskauer Zentrale im wahrsten Sinne des Wortes an die Schläferkinder heranmachen, also an Paige und Henry Jennings, zauberhaft gespielt von Holly Taylor und Keidrich Sellati. Vater Philip droht für den Fall mit Überlaufen. Mutter Elizabeth, die in der engagierten sinnsuchenden Tochter sich selbst erkennt, ist auch empört, aber auch zweifelnd. Vielleicht ist IHR Ideal geeignet einst auch das der Tochter zu werden? Aber auch FBI-Agent Stan Beemann (Noah Emmrich) scheitert, wenn auch vordergründig nicht systemisch bedingt wie das Schläferpaar Jennings, sondern persönlich als Mensch, Ehemann, Vater und Liebhaber. Stan kann man damit letztlich ebenfalls als Symbol systemischen Scheiterns sehen. Er – wie Amerika – scheitert einsam an sich selbst.

Matthew Rhys at 2007 GLAAD Awards. Foto: Greg Hernandez - Flickr. Lizenziert unter Creative Commons

Matthew Rhys at 2007 GLAAD Awards. Foto: Greg Hernandez – Flickr. Lizenziert unter Creative Commons

Die dritte Staffel wird sich der Zeit des Untergangs der Sowjetunion und mit ihr der ideellen Lebensgrundlage von Nadeshada und Mischa nähern. Die Welt wird leider nicht von Kriegstreiberei und Ausbeutung befreit werden. Die Hoffnung „Sowjetunion“ wird sich aber als große Illusion entpuppen und sich in schreckliches Nichts auflösen. Werden die Jennings, wenn sie bis dahin überleben, „umstellen“ können, vom Dienst für DIE globale SACHE auf den Dienst für den Nationalstaat Russland? Und sei es etwa notgedrungen, weil es sonst niemanden geben würde, der sich der nun hightech-geführten Kriegstreiberei der Weltmacht Amerika entgegenstellt? Wird ein GEGEN-Ideal ein FÜR-Ideal ersetzen können? Wird der Eindruck, sein Leben sinnlos geopfert zu haben, die Protagonisten in neue Krisen stürzen? Oder wird Tochter Paige, die sich von spirituellen Idealen angezogen fühlt, den symbolischen Ausweg zeigen, wie der Kampf für die Erlösung der Menschheit doch noch gewonnen werden kann? HEINZ KNOTEK

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