Lust an der Menge oder ein paar Bemerkungen zum Alltag

Irgendwann ist auch der größte und rücksichtsloseste Egoist seiner Egomanie überdrüssig. Dann genießt er zum Ausgleich lustvoll das Eintauchen in die derbe Menge. Der sonst von Angestellten und Geschäftspartnern gefürchtete Unternehmer lässt es etwa im Verein bei viel Alkohol kumpelhaft krachen – wie der Sozialhilfeempfänger am Biertisch ihm gegenüber.

Teil der Masse sein. (*)

Der sich für intellektuell haltende Gymnasiallehrer hängt sich vier Deutschlandfahnen ans Auto und verpasst den Außenspiegeln seiner gehobenen Mittelklasse-Limousine einen Überzug in schwarzrotgold. Genauso so wie der tätowierte Plattenbaubewohner im neun Jahre alten Opel. Wenn gerade Fußball-WM ist, treffen sich alle beim Public Viewing. Die Lust an der Selbstaufgabe in der Menge ist allgegenwärtig – da erweisen sich „ein paar Bemerkungen zum Alltag“ eines Meisters der Weisheit einmal mehr als zeitlos aktuell. Weiterlesen

Im Schlamm bleibt weder Energie noch Zeit für den WEG

Eine halbe Stunde starker Regen mitten in der Nacht. Plötzlich ergießen sich wilde Schlammströme von den umliegenden leicht hügeligen Feldern in die Kleinstadt. Zwischen den formatierten Raps- und Maispflanzen wächst kein Halm sonst. Tonnenweise versprühte Unkraut­vernichtungsmittel haben dafür gesorgt. Jetzt kann in den blanken Zwischen­räumen das Wasser ungebremst anschwellen und Myriaden kleine reißende Bäche erzeugen.

Straßen verwandeln sich binnen Minuten in kaum passierbare Schlammpisten. (*)

Noch drei Tage später muss sich das THW mühen, Straßen und Keller begehbar zu machen. Plötzlich wird aus dem Alltag ein kleiner Kampf, nicht ums Überleben, aber um die Wiederherstellung der gewohnten Ordnung. Beim im Schlamm wühlen bleibt jedoch weder Energie noch Zeit für den WEG. Weiterlesen