Thema verfehlt: Zeitung verwechselt After-Esoterik mit Esoterik

teaser_rafael.jpgEsoterik pur: Detail mit Py-
thagoras aus der SCHULE DER
ATHENER von Raffaello Sanzio,
1509.
Abb.: Public domain

Die Süddeutsche Zeitung hat am Wochenende auf der ansonsten für guten Journalismus berühmten SEITE DREI einen besonderen Klischeeeintopf angerührt und aufgekocht. Der Journalist Birk Meinhardt be­suchte dazu nach eigenen Anga­ben eine Esoterikmesse, bewegte viele Mails und hat in mindestens zwei Gasthöfen Stammtisch- Ergüsse mitgeschrieben. Das reichte ihm, um sich selbst zu bestätigen, was er offenbar schon erwartet hatte: Esoterik ist dubios und neigt zu rechtsradikalem Gedankengut. Vielleicht sollte Meinhardt (noch) einmal das gerade erschienene Buch über die Erfolgsgeschichte der SEITE DREI lesen. Dann hätte er vielleicht dem erhabenen Format und dem Leser seinen unsachlichen und lausig recherchierten Schreibversuch erspart. Dennoch reflektiert der Bericht Phänomene, die für den Sucher beachtenswert sind. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Sinn des Lebens: Buddha sehen und Wissen erwerben

Was ist der Sinn des Lebens? Aus gutem Grund wird der Buddhismus gern als atheistisch deklariert, vor allem von Vertretern jener Religionssysteme, die den Glauben an einen (ihren ganz gruppenspezifischen) anthropomorphen Gott predigen. Buddhisten dagegen empfinden die Aussicht, an einem Tag X in ihrem letzten „Knochensack1“ wiederauferstehen zu müssen eher als Strafe denn als Erlösung.

Chinese Buddhist monks performing a formal ceremony in Hangzhou, Zhejiang Province, China. Photograph: Jon Bragg

Der Buddhist wähnt sich eher als immaterielle Entität, die vorüberge­hend in einem irdischen Gewand im dichten Reich der astralen Materie wandert, das voll ist von schwierigen Verhältnissen und auf Schritt und Tritt leidvolle Schicksalsschläge bereit hält. Dennoch möchte er ausge­rech­net hier gern und auch noch lange leben. Warum? Um Buddha zu sehen (früher oder später), Wissen zu erwerben und innerlich zu wachsen. Weiterlesen

  1. Knochensack: in buddhistischen Schriften gern benutzte respektlose Metapher für die körperliche Persönlichkeit, die im Buddhismus als konditionierte, flüchtige Illusion gesehen wird; also als notwendiges Mittel, nicht aber als Zweck.

CONSIDERATIONS ON MAGIC (Betrachtung über Magie)

Mit einem Essay von William Q. Judge

Was ist Magie? Wenn zwei feminine Männer öffentlich mit weißen Tigern kuscheln, bis einer der beiden in den Kopf gebissen wird? Wenn sich außerhalb der Faschingszeit Kinder als Zauberer verkleiden und mitternachts von den Eltern zu einer Buchhandlung fahren lassen, um ihr Mind mit dem neuesten skurrilen Horror des fiktiven Idols Harry Potter zu füllen?

Katholische Kirche StadtilmBesonders katholische Kirchen sind reich mit magischen Schutz- und Abwehrornamenten ausgestattet – zumeist aus anderen Traditionen geklaute Symbole (Bild: Trinosophie-Blog)

Oder doch eher, wenn es Genforschern gelingt, pestizidresistenten Mais zu konfektionieren, an dem dann auch die Bienen zugrunde gehen… Weiterlesen