Politische Arroganz, Selbst­gerechtigkeit und Heuchelei gefährden Europa und die Welt

US-Außenminister John Kerry trifft die mutmaßlich mit fünf Mrd. Dollar ins Amt gehievte „Übergangsregierung“ der Ukraine. Foto: U.S. Department of State

US-Außenminister John Kerry trifft die mutmaßlich mit fünf Mrd. Dollar ins Amt gehievte „Übergangsregierung“ der Ukraine. Foto: U.S. Department of State

Dient es ihrer persönlichen Profilierung oder handfesten wirtschaftlichen Vorteilen oder beidem, dann drücken Politiker des westlichen Kulturkreises jeden – wirklich jeden – brüderlich an ihre von freiheitlich-demokratischer Selbstgerechtigkeit geschwollene Brust. Da werden in der Ukraine binnen Tagen erst mit der – immerhin landesweit einigermaßen demokratisch gewählten – Regierung Janukowitsch Verträge unterzeichnet. Stunden später verjagt ein gewalttätiger Mob – angeblich mit Milliarden aus dem Westen finanziert – diese Regierung, um eine von faschistoiden und antisemitischen Elementen durchsetzte „Übergangsregierung“ – jetzt gänzlich ohne jede demokratische Legitimation – zu installieren. Der Mob, der sich daraufhin „im Namen von Freiheit und Demokratie“ gegen die Putschisten in Bewegung setzt erfährt überraschend KEINE Sympathie. Er wird – anders als der Mob zuvor – arrogant abgemahnt, nicht Europa zu spalten. Dabei ist es die Heuchelei dieser westlichen Politiker die Europa und die Welt zu spalten droht. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Demokratie – nur geträumt! Was ist nach dem Erwachen?

Während in Kairo, Tunis und Algier Menschenmassen nach Demokratie rufen und sich dabei die Erfüllung eines Traums von mehr Wohlstand und Freizügigkeit erhoffen, schreibt Claus Leggewie in einem Beitrag zum Niedergang der Sozialdemokratie: „Etwas ist grundfalsch in der Art und Weise, wie wir heute leben.“ Untertitel des Artikels: Wie kann die Demokratie wiederbelebt werden1.

Wahre Änderung ist nur an einem selbst möglich – durch Selbst­erkenntnis. Die ägyptische Pyramide in Gizeh ist das altehrwürdige Symbol für diesen schweren Gang. Foto: Hajor

Wie nun? Ist etwa das, was die Massen in Nordafrika so vehement begehren letztendlich etwas „Grundfalsches“. Wenn dem so ist, ist es dann nicht eigentlich zynisch Menschen zu etwas zu beglückwünschen, von dem wir (insgeheim) wissen oder ahnen, dass es ein erschöpftes Modell ist? Was, wenn auch die Massen von Kairo das mitbekommen? Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, 11. Februar 2011