Demokratie – Missbrauch als machtpolitischer Trojaner

Trojanisches Pferd - Symbolbild

Trojanisches Pferd, Mount Olympus Water & Theme Park, USA.

Wie heute die Demokratie war es damals das Christentum – ihre Protagonisten wähnen sich dazu berufen, die Welt damit zu beglücken. Zur Begründung gibt es nur die erhabensten Argumente: damals ging es um nichts Gering­eres als die „Rettung der Seelen“ der Menschen fremder Völker und Länder; heute geht es um „Freiheit und Marktwirtschaft“. Aus der Geschichte weiß man, dass dabei das Christentum als machtpoli­tischer Trojaner für die nach Weltherrschaft strebende Kurie in Rom missbraucht wurde. Wer sich die Welt nach dem ersten Einmarsch im Irak 2003 anguckt kann wissen: Freiheit und Demokratie wurden und werden als machtpolitischer Trojaner benutzt, um fremde Völker und Länder für einen singulären Weltmacht-Anspruch „reif“ zu machen. Das Zentrum der Weltmacht heißt aber nicht mehr Rom, sondern Washington. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Anschlag von Oslo – eine Ausgeburt autistoider Ich-Bezogenheit

Keiner kann Anders Behring Breivik begreifen. Der Attentäter von Oslo hat am 22. Juli ein Blutbad angerichtet und damit dem kollektiven Urvertrauen der bürgerlich demokratischen Gesellschaft eine tiefe Wunde beigefügt. Es wird über Motive gerätselt. Die Diagnose auf dem ersten Blick lautet: krankhaft übersteigerter Fremdenhass – eine fatale Fehldiagnose. Denn Breiviks Fremdenhass ist nicht Ursache, son­dern nur Symptom der ansonsten gesellschaftlich durchaus gewürdigten Lebenshaltung einer ausgeprägten – autistoiden – Ich-Bezogenheit.

Innenstadt von Oslo, kurz nach der Bombenexplosion.
Foto: Johannes Grødem from Oslo, Norway

Als erfolgreich gilt in unserer Gesellschaft, wer sein Ich besonders sicht­bar darzustellen vermag. Autoindustrie, Modebranche und Kosmetik­hersteller richten ihre Produktion, Werbung und den Verkauf wesentlich auf das Bedienen dieses allgemein anerkannten Strebens aus. Schon unseren Kindern impfen wir ein, sich stets und ständig selbstbewusst zu geben. Cool ist was öffentlich auffällt, und sei es durch dümmliche und erniedrigende Aktionen. Das öffentliche und private TV erzielt mit ent­sprechenden Sendungen seine höchsten Einschaltquoten. Weiterlesen

THE AMERICANS: Tragisches Scheitern im Kampf für weltliche Ideale

The-americans-title-card by DreamWorks Television

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Sowjetische Schläfer in Amerika. Jung selektiert, hart trainiert und abgerichtet auf gnadenlose Erfüllung ihres Auf­tra­ges. Und auf der Gegenseite – reine Patrioten mit nur hehren Zielen im Blick: die Verteidigung von Demo­kra­tie und Freiheit vor kom­munisti­schen Bösewichten. Liest man die Programminformation zur erfolg­reichen US-Fernsehserie THE AMERICANS wähnt man sich ziemlich sicher doch nur wieder an die gerade salonfähige antirussische Propaganda zu geraten. Dann eher zufällig eine Folge gesehen – und sofort beide Staffeln gekauft. Denn es ist ganz anders. THE AMERICANS ist ein filmisches Meisterwerk, das am Gegenstand eines spannenden Agententhrillers und vor dem Hintergrund der Reagan-Ära die Tragik des Ideals die Welt verbessern zu wollen zeichnet. Tragisch deshalb, weil der Kampf für dieses Ideal wie alles irdische Streben am Ende scheitern muss. Keri Russel und Matthew Rhys (als Spionen-Ehepaar Elizabeth and Philip Jennings) und Noah Emmerich (als Stan Beeman, Spionenjäger des FBI) spielen auf eine sensible das Herz berührende Weise den Weg des Scheiterns. Weiterlesen