[Archiv-Auswahl] Wir. Dienen. Weltführer. Ohne wenn und aber?

Harmlose Spaziergänger im Park? Man weiß nie! Bild: Heinz Knotek

Harmlose Spaziergänger im Park? Man weiß nie! Bild: Heinz Knotek

Normale Leute würde man schließlich nicht abhören, so sinngemäß der oberste Führer des selbst erklärten Weltführers beim Besuch der obersten Dame aus Deutschland. Die aber wurde ja abgehört. Ist die dann „irgendwie“ nicht normal, im sicherheitspolitischen Sinne oder sonst? Die Dame scheint es nicht zu bemerken, wie sie gerade öffentlich vorgeführt wird. Oder sie „tutnurso“ und zeigt damit eine subtile Geste der Unterwerfung – stellvertretend für ihr Land das sie vertritt. Die Begebenheit ist eigentlich zum Lachen und eine TV-Satiresendung und nur die hat auf diese kleine Begebenheit auch hingewiesen. Dabei ist es zum Weinen. Denn es zeigt: Wir dienen dem Weltführer, bewusst oder unbewusst und ohne wenn und aber. Aber nein, wird es Kritik hageln, wir sind partnerschaftlich Verbündeter des Weltführers. Partner und Verbündeter DES Weltführers? Ein Oxymoron. Ein oberster Führer hat keine Verbündete oder Partner. Er hat lediglich Diener und Erfüllungsgehilfen unterschiedlicher Graduierung – und Feinde.

Für einen eigenen Weg entscheiden

Wir Deutschen haben unsere Erfahrung mit Weltführerschaft oder mit den Versuchen in die Richtung. Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges vor 100 Jahren war auch dem Drang des aufstrebenden Deutschen Reiches geschuldet, am großen Kolonialkuchen angemessen beteiligt zu werden. Der Zweite Weltkrieg wurde dann gänzlich getragen von Motto, dass die Welt am deutschen Wesen genesen möge. Vorausgesetzt, man wurde nicht als rassisch zu minderwertig klassifiziert. In dem Fall drohte die industriemäßige Ermordung. Auch in der Nachkriegsordnung war Deutschland Weltführer – wenn auch nur wirtschaftlich. Das hatten aber die Völker der Welt ganz gern.

Vorsorglich Mithören ist besser als vollstreckende Drohnen losschicken. Zunächst.Bild: Heinz Knotek

Vorsorglich Mithören ist besser als vollstreckende Drohnen losschicken. Zunächst.
Bild: Heinz Knotek

Nach dem Ende der Ära der politischen Polarisierung der Welt in zwei antagonistische Blöcke wurde kurz öffentlich darüber debattiert, dass doch jetzt DIE Chance wäre in eine Art „geschichtsfreie“ Phase der Menschheit einzutreten. Weltumspannender Handel, außenpolitischer Konsens, Demokratie, Menschenrechte. Schluss mit Kriegen und politisch-militärischer Konfrontation, Demokratie und Menschenrechte für alle. Natürlich bot es sich an, dass die wirtschaftlich und militärisch stärkste Demokratie der Welt dabei mit Rat und Tat zur Verfügung steht. Und nebenbei und sozusagen als freundliche Gegenleistung könnte das für die Welternährung erforderliche Saatgut – genetisch auf passende Pestizide abgestimmt – exklusiv vom heimischen Weltmarktführer Monsanto geliefert werden.

Wie wir inzwischen wissen, hat sich dieses Ideal nicht widerstandslos umsetzen lassen. Es gibt Kulturkreise, die andere gesellschaftliche Konzepte bevorzugen. Inzwischen ist das Eliteprojekt EUROPÄISCHE UNION politisch und wirtschaftlich konkurrenzfähig geworden. Das mit dem genetisch manipulierten Saatgut zum Beispiel kommt gar nicht gut an. Und es finden sich tatsächlich ganz langsam immer mehr Menschen, die sich der selbstzerstörerischen Entblößung in den kommerziellen Onlinenetzwerken von IT-Konzernen aus dem Weltführerland enthalten.

Der Führer des Weltführers hat gerade in einer Rede den Anspruch auf allzeit uneingeschränkte Weltführerschaft bekräftigt. Die Methode, Länder erst profitabel mit Krieg zu überziehen und sie dann profitabel – dann nach eigenem Urbild – wieder aufzubauen, hat sich als anstrengend und zu wenig effizient erwiesen. Warum nicht einmal das Mittel wirtschaftlicher Erpressung, also politisches Wohlgefallen gegen Verzicht auf Sanktionen, ausprobieren? Und so wie so ist es Zeit, dass die Diener und Erfüllungsgehilfen sich vor Ort mehr ins Zeug legen müssen. Etwa wie in der Ukraine oder in Syrien. Und Europa? In Geheimverhandlungen werden die Garantien für chlorierte Schlachtkörper und Modalitäten zur Abstrafung unwilliger Regierungen festgeschrieben. Die schiere Anwesenheit der EU-Vertreter ist ein Bekenntnis zur Bereitschaft zum unterwürfigen Selbstopfer.

Wie jedes Karma erfüllt sich auch das von Europa unvermeidlich und unaufhaltsam. Doch das Karma zukünftiger Generationen wird dadurch geprägt wie wir hier und jetzt mit dem karmischen Geschehen umgehen, ob wir wieder einem (Welt)Führer blindlings und trunken hinterher laufen oder mit wachsamer Lebenshaltung uns für einen eigenen Weg entscheiden. HEINZ KNOTEK

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