Was der libysche Diktator vom englischen Königshaus lernen kann

Hier – in Form etwa des libyschen Diktators – wird ein Herrscher gehasst und geächtet, bis auf eine überschaubare Zahl bezahlter Vasallen. Dort – in Form der englischen Königsfamilie – rühren Herrscher dagegen die Massen zu glückseligen Tränen, etwa heute am großen Prinzen-Hochzeitstag. Was macht Ersterer falsch?

Der libysche Diktator kann vom englischen Königshaus das sichere und bequeme Überleben lernen. Fotos: Prinz William beim World Scout Jamboree (2007), © Alexandre Goulet; Muammar al-Gaddafi beim Gipfeltreffen der Afrikanischen Union 2009, © U.S. Navy photo by Mass Communication Specialist 2nd Class Jesse B. Awalt/Released

Die Zeiten, da englische Königinnen geköpft und Könige vergiftet wurden, sind unter anderem deswegen vorbei, weil das englische Königshaus nachhaltig aller politischen Macht „entkernt“ wurde und allein als konstitutionelle Fassade existiert. Existieren darf und existieren muss. Weiterlesen

[Archiv-Auswahl] Magie im Alltag: zehn Hindernisse

Alltag ist eher anstrengend. Es ist auch nur ein geringer Trost, dass die Anstrengung eigentlich ganz bequem ist – kein Krieg, kein Frieren, kein Hunger, keine Verfolgung… In den klassischen Einweihungs­romanen findet EINWEIHUNG meist inmitten dramatischer äußerer Um­stände statt. Bei Elisabeth Haich („Einweihung: Mystisch-biographischer Roman“) etwa quält sich die Protagonistin vom prähistorischen Ägypten bis hin zum Zweiten Weltkrieg durch eine endlose Abfolge kriegerischer Verhältnisse.

La Très Sainte Trinosophie: Die Seele ringt mit bindenden Ketten. Grafik: Médiathèques du Grand Troyes

Auch bei Maria Szepes („Berg der Adepten“ und „Der Rote Löwe“) ist Einweihung vor allem ein endloses Ertragen von Leid. Die Magie der Transformation braucht aber nicht unbedingt Krieg und Elend als notwendige Requisite. Im Gegenteil, erst wenn „draußen“ im Alltag Ruhe herrscht, kann der Sucher INNEN für Frieden sorgen und das Elend dort bekämpfen. Schriften wie das Avatamsaka-Sutra geben zahllose Impulse, wie sich das Elend des Alltags meistern ließe. Etwa durch das beiseite Räumen der „zehn Hindernisse.“ Weiterlesen

Gott – eine „unsterbliche“ Widerspiegelung

Der kirchenchristliche Ursprung der Ostereiersitte ist unbekannt. Dennoch erfährt der dekorationsintensive Brauch erwartungsgemäß auch Ostern 2011 eine erneute Steigerung. Kaum ein Baum im öffentlichen Raum ist sicher vor einem wollüstig bunten „Gehänge“ aus grellbunten Kunststoffeiern. Es ist kein Zufall, dass das Kirchenchristentum die materielle Auferstehung seines Gottes genau auf die Zeit gelegt hat, an der die vormals „heidnischen“ Völker die zum frühlingshaften Leben wiedererwachte Natur mit Austreibungsritualen (gegen den tödlichen Winter) und Fruchtbarkeitskulten lustvoll feierten.

Osterdekoration im öffentlichen Raum – kindlich verspielt und spirituell sinnfrei. (*)

Die Mystiker, Weisen und Sucher auf dem Pfad aller Zeiten brauchten für die Auferstehung Gottes kein sinnliches Spektakel einmal im Jahr. Gott ist für sie nichts Anthropomorphes, kann daher mit den Sinnen auch nicht wahrgenommen werden, ist deshalb weder „sterblich“ noch in der Not, (wieder)auferstehen zu müssen. Gott ist wie eine Widerspiegelung, meint treffend Anna Kingsford1 in ihrem mystischen Lebenswerk: The Perfect Way or, The Finding of Christ. Weiterlesen

  1. Anna Bonus Kingsford, 1846-1888, englische Mystikerin und Theosophin

Mária Szepes würde vermutlich heute aus Ungarn fliehen – wie 1933 aus Berlin

Als es vor Jahren in Deutschland eine Zeit lang schlagzeilen­trächtig zu vereinzelten Übergriffen auf Ausländer kam, hat Mária Szepes (1908-2007) Freunden gegenüber ihre Sorge geäußert, ob der Verfasser – ein „echter Deutscher“ – ihr jetzt nicht etwa feindselig begegnen wür­de. Fremdenfeindlichkeit war für die große ungarische Esoterikerin ein lebenslanges Trauma. Mária Szepes war Jüdin. Nach eigenen Angaben konnte sie 1933 mit ihrem Ehemann Béla im letzten unkontrollierten Zug der einsetzenden Judenverfolgung in Deutschland entkommen.

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Szepes Mária – Beavatás 1.rész

Wenn Mária heute den mit unverhohlenem Antisemitismus gewürzten nationalistischen Pathos eines „tausendjährigen ungarischen Reiches“ erleben müsste, den die Regierungspartei FIDESZ und ihr Minister­präsident Viktor Orbán provokant lauthals verkünden, würde sie sich mit Bangen an jene Zeit erinnern, da auch Deutschland einen auf tausend­jährig machte und mit diesem Irrsinn Europa und die Welt in den Abgrund führte. Gut möglich, dass sie – wäre sie dazu physisch in der Lage – daher ihrer Heimat entfliehen würde. Aus Scham. Aber auch aus Angst. Weiterlesen