Theosophie: Weisheitslehre oder Mummenschanz?

Einen eigenen redaktionellen Schwerpunkt hat neulich eine große deutsche Tageszeitung dem Phänomen Anthroposophie gewidmet1. Dabei fanden auch die eigentlichen Wurzeln der anthropo­so­phischen Bewegung eine angemessene Würdigung. Anthroposophie ist Rudolf Steiner. Die Wurzel von Steiners Thesen jedoch sind die uralten und zeitlosen Weisheitslehren, die im letzten Viertel des 19. Jahrhun­derts durch Helena Petrovna Blavatsky, William Quan Judge und Henry Steel Olcott einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurden.

Motto der Theosophie des 19. Jh.: Es gibt keine höher stehende Religion als die Wahrheit.

Nach dem Weggang von Blavatsky (1891) und Judge (1896) versank die Theosophie jener Zeit „bald in einem argen Mummenschanz2.“ Jenen Mummenschanz haben selbst ernannte Nachfolger von Blavatsky und Judge zu verantworten. Bis heute fehlt eine selbstkritische Aufarbeitung dieser Fehlentwicklung durch jene Gruppen, die sich unverändert auf jene „Nachfolger“ berufen. Weiterlesen

  1. Süddeutsche Zeitung, Samstag, 26. Februar 2011
  2. Ebenda; Thomas Steinfeld: DAS BUNTE GENIE

[Archiv-Auswahl] Die formatisierten Kinder von Neubeuern

Digitales Atmen. (*)

Sie sitzen in einheitlicher Schuluniform vor einheit­lichen Tablet-PCs1. Vor den Fenstern der Privatschule die lebendige Kulisse des Kultur­dorfs Neubeuern, in­mit­ten der Natur des Alpenvor­landes. Drin­nen keine Bücher, die man ver­ges­sen kann. Kein Col­legeblock der leer ist. Also kein Blatt das man bei seinem Sitz­nachbarn erfragen müss­te. Keine Stifte die man spitzen muss. Alles forma­ti­siert und auf Knopf­druck und per „wisch-und-weg“ abrufbar. Schü­ler solcher Schulen sind jetzt Dialogpartner von – Maschi­nen. Wobei die Maschinen das WIE und WAS vorgeben, das wiede­rum ein Über-Administrator in den Ein­stel­lungen des Schul­netz­werkes festgelegt hat. Keine Möglichkeit mehr, eine bedrückte Stimmung durch Unordnung auf der Schulbank zu signa­lisieren. Kein Grund mehr da, seine Fähigkeit zur Selbstorganisation zu trainie­ren, in dem man am Vorabend des Schulta­ges seinen Ranzen packt. Stattdes­sen die Illusion eines omnipräsenten WLAN, das in Wirk­lichkeit Ausdruck einer omnipo­tenten Kontrollmacht ist. Denn natürlich kann es nur kontrollierten und reglementierten Zu­gang ins Internet geben. Der Eintritt in diese „schöne neue Welt“ kostet um die 33.000 Euro im Jahr. Ist das die Schule der Zukunft? Sollen wir freudig darauf warten, dass das digitale Atmen bald auch in den Schulen fürs Volk ankommt. Oder besser beten, dass Gott das den Reichen und Schönen überlässt, wenn er will auch als Denkzettel? Weiterlesen

  1. s. Süddeutsche Zeitung: „Google statt Gehirn“, 29. September 2012

Gemeinschaften – Gold geben und Glasperlen bekommen

Wenn es um den Sucher im Laufe des Lebens immer ruhiger wird, ist das eigentlich ein gutes Zeichen. Hat er einmal realisiert, dass die LEERHEIT aller Dinge, von denen in den buddhistischen, taoistischen und hinduistischen Schriften die Rede ist, nicht nur Metapher sondern konkrete Wirklichkeit ist, verliert das betriebsame Treiben um ihn herum viel von seiner Wichtigkeit.

xl_bindungen.jpgBindungen – oft ausdauernd und schwer zu lösen (Symbolbild). Bild: Ko-Sen

Umso mehr kann eine Sehnsucht nach Gleichgesinnten entstehen, die leicht zur SEHNENDEN SUCHT ausufert. Von diesem Phänomen lebt der Esoterikmarkt. Fangemeinschaften von Gurus, Geistschulen, Vereine und Gesellschaften bilden einen attraktiven Angebotsmarkt. Doch sich einer Gruppe anzuschließen kann den Abschluss eines bedenklichen Deals bedeuten. Man gibt Gold und bekommt Glasperlen. Weiterlesen

Demeter-Gemüse als homöopathische Fleischzulage

Milch vom Demeter-Bauern ist die beste. Das fängt schon beim Öffnen der Milchflasche mit dem dicken Rahm obendrauf an. Demeter, einer der ältesten unter den Anbauverbänden, ist bekannt für besonders strenge Vorschriften.

BiotomatenDemeter-Gemüse kann mit animalischen Teepräparaten behandelt sein (Bild: privat)

Grundlage der organischen Landwirtschaft – wie der Bioanbau bei Demeter heißt – sind Vorgaben aus dem Landwirtschaftskurs von Rudolf Steiner. Dazu gehört auch, dass ein Hornpräparat in einem genau festgelegten Ritual in das Futter von Milchkühen eingebracht wird. Und das Besprühen von Pflanzen mit einer Art homöopathischen Fleischbrühe. Weiterlesen